Energie aus der Natur

Wechselspiel von Licht und Schatten

Paul Hürlimann ist der Projektleiter für ein Kleinwasserkraftwerk im Urner Meiental. Bei Inspektionen vor Ort in
der freien Natur blüht er auf.

Erschienen: BLITZ April 2018 

Mit gleichmässig grossen Schritten stapft Paul Hürliman auf seinen Schneeschuhen durch die weisse Pracht. Im Urner Meiental liegt Mitte März der Schnee immer noch kniehoch. Begleitet wird er von Werner Gamma, der als Einheimischer die Gegend kennt wie seine Westentasche. An der Meienreuss bleibt Paul stehen und blinzelt in die aufgehende Sonne. 

Hier auf dem Land von Gamma soll bereits in wenigen Jahren ein Kleinwasserkraftwerk erneuerbare Energie produzieren. Gemeinsam schreiten sie den Standort ab und sehen sich die Topographie des Geländes an. Paul zeigt dem Landwirt, wo die Druckleitungen unter der Erde zu liegen kommen, damit er weiterhin mit dem Traktor über sein Land fahren kann.


Als Kind verbrachte Paul Tage und Wochen auf dem Bauernhof seiner Grosseltern in Sankt Gallen. Draussen
im Feld in der freien Natur zu sein, ist deshalb für ihn auch heute noch der schönste Teil seiner Arbeit als Leiter
Neue Energien. Natürlich macht er diese Ausflüge nicht zum Spass. Doch empfindet er die Zusammenarbeit
mit Landwirten meistens als offen und inspirierend.

Solidarität gefragt

Projekte der «grossen CKW aus Luzern» werden aber von den Einheimischen einer Bergregion nicht immer von Beginn weg begeistert aufgenommen. «Dann geht es darum, dass ich durch Aufklärungsarbeit Ängste abbaue», erklärt Paul. Am vehementesten würden sich erfahrungsgemäss Zugewanderte, die nicht in einer Region verwurzelt sind, gegen ein Projekt auf ihrem Land stemmen. Einem Bauern oder dauernden Bewohner einer Bergregion müsse er dagegen nicht erklären, dass die ganze Gemeinschaft davon profitieren könne. Seiner Meinung nach benötigt der Kraftakt der Umstellung auf erneuerbare Energie vor allem eines: Solidarität. «Es ist leicht, die Energiewende und erneuerbaren Strom aus der Schweiz prinzipiell zu unterstützen – aber konkret wollen die wenigsten ein Windkraftwerk oder eine Biogasanlage in ihrer nahen Umgebung.»

Wertschöpfung für die Region

Das Meiental gehört zu Wassen und ist ein Seitenarm des Oberen Urner Reusstals. In den Sommermonaten führt hier die Strasse über den Sustenpass in den Kanton Bern. Wie viele Schweizer Bergtäler ist es eher strukturschwach und von Abwanderung betroffen. Heute leben hier noch 50 Menschen. Vor ein paar Jahren musste nach einem Landratsbeschluss des Kantons gar die Dorfschule geschlossen werden. Die Realisierung des Kleinwasserkraftwerks könnte für die Gemeinde eine wichtige Wertschöpfung generieren. «Wir sind auch daran zu prüfen, ob wir mit dem Projekt das Meiental mit Glasfasern erschliessen können», erklärt Paul.

Weiteres Projekt hängig

Neben dem Kleinwasserkraftwerk im Meiental projektiert Paul auch ein ähnliches im Entlebuch an der Waldemme. Mit einer Jahresproduktion von 17 GWh soll es einmal rund 3’800 Familienhaushalte versorgen. Die Waldemme entspringt dem Brienzer Rothorn und fliesst durch das Entlebuch über Flühli nach Schüpfheim, wo sie ihren Namen in Kleine Emme wechselt. Anfang März hat das Luzerner Kantonsgericht eine Beschwerde gegen das Projekt gutgeheissen und zur Neubeurteilung an den Regierungsrat zurückgewiesen. «Das Urteil bedeutet nicht das Aus für das Projekt, das Gericht hat uns in vielen Punkten recht gegeben», sagt Paul. Man werde nun gemeinsam mit dem Kanton das weitere Vorgehen prüfen.

Als «Grüner» mit «Grünen» streiten

Paul Hürlimann sieht sich selbst als « Grüner ». Obwohl Kleinwasserkraftwerke ökologisch Energie produzieren,
sind sie zum Teil der erbitterten Gegenwehr von Naturschützern ausgesetzt. Bei allen Differenzen könne er sich auch in die Gegenseite hineinversetzen, sagt Hürlimann. Mit einigen seiner beruflichen « Gegner » ist er persönlich befreundet. «Natürlich braucht es Umweltverbände. Allerdings wünschte ich mir etwas mehr Weitsicht und den Blick fürs Ganze.»

Man sagt mir nach, dass ich über eine hohe Frustrationstoleranz verfüge.
Paul Hürlimann , CKW

In den vergangenen Jahren prüfte Paul Hürlimann für CKW gegen 100 Standorte für Kleinwasserkraftwerke. Konkret ausgearbeitet wurden schliesslich die Projekte Meiental und Waldemme. Für beide hängt es nun von politischen Entscheiden ab, ob sie auch realisiert werden. Können diese zähen und langwierigen Auseinandersetzungen einen auf Dauer nicht zermürben? «Man sagt mir nach, dass ich über eine hohe Frustrationstoleranz verfüge. Also: nein», sagt Paul mit einem milden Lächeln. Den nötigen Schnauf dazu holt er sich an Arbeitstagen wie diesen.

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