Papierrecycling im XXL Format

Aus alt mach neu

Die luzernische Perlen Papier AG ist die einzige Produzentin für Zeitungsdruckpapier der Schweiz. Von den Maschinen über die Produktionsmenge bis zum Energieverbrauch: Hier ist alles XXL. Zu Besuch an dem Ort, wo aus recyceltem Altpapier die Basis für die Zeitung von übermorgen entsteht.

Text: Luk von Bergen, Bilder: Philipp Schmidli


«150 Meter!», ruft Dirk Breuer in der ultralauten Produktionshalle. Der Leiter Technik und Energie der Perlen Papier AG hat mir soeben die Frage beantwortet, wie lang denn diese Papiermaschine PM7 sei. Ich staune laut zurück: «150 Meter? Wow!» Breuer nickt. Auf dem Rundgang durch die «Papieri» werde ich mit vielen eindrücklichen Fakten konfrontiert. Hier ist alles gigantisch: gigantisch gross, gigantisch teuer, gigantisch produktiv. Aber lassen Sie uns die Zeitung von vorne aufschlagen, um beim Bild zu bleiben. Haben Sie sich schon mal gefragt, was mit dem Altpapier passiert, das Sie regelmässig und gebündelt zur Abholung am Strassenrand deponieren? 

Ein Mitarbeiter der Perlen Papier im Altpapier.

Der Kampf ums Altpapier

Altpapier gehört dem, der es sammelt. Zum Beispiel Ihrer Wohngemeinde, die diesen Wertstoff zum Recycling weiterverkauft. «Wir kriegen hier per LKW oder Bahntransport täglich etwa 1500 t Altpapier angeliefert», sagt Karsten von Malottki, Produktionsleiter des Unternehmens. «85 Prozent stammt aus der Schweiz, der Rest aus dem Ausland.» Ziel ist es, den Anteil einheimischer Ware weiter zu erhöhen: «Kürzere Anfahrtswege, tiefere Transportkosten, das macht ökologisch und ökonomisch Sinn.» Aber der Konkurrenzkampf auf dem internationalen Altpapiermarkt ist gross. Wegen der Digitalisierung schrumpfen die globalen Altpapierberge jährlich um etwa sechs Prozent. 

85 Prozent des Altpapiers stammt aus der Schweiz, den Rest müssen wir aus dem Ausland beziehen.
Karsten von Malottki, Produktionsleiter des Unternehmens

Ab in die Wanne!

Autohefte, Prospekte, Kochzeitschriften, Zeitungen, Comics, Herrenmagazine: Ein Förderband transportiert das Altpapier in die Auflösetrommel im Fabrikinnern. Dort wird es mit Wasser vermischt und zu einer Art Papierbrei gerührt. Im nächsten Prozessschritt werden papierfremde Materialien wie Klammern und Kunststoffpartikel aus dem Brei entfernt, bevor es im Wasserbad den Buchstaben und Bildern an den Kragen geht. Mittels Seife, Luft und Zusatzstoffen löst sich die Druckfarbe von den Papierfasern, wird an die Oberfläche geschwemmt und ausgeschieden. Zurück bleibt entfärbtes, «deinktes» Papier, die Basis fürs neue Material. Eine einzelne Papierfaser kann diesen Zyklus zirka siebenmal durchlaufen, bevor sie als zu kurz identifiziert wird und ausscheidet. Alles vollautomatisch.

Die Papierrollen werden zu riesigen Türmen zusammen gestapelt.

PM7: Recycling mit 115km/h

Es dröhnt und surrt laut in der riesigen Produktionshalle, dem Herzstück des Unternehmens. Vor uns nun also diese PM7, eine der weltweit grössten und leistungsstärksten Maschinen für Zeitungsdruckpapier. Was das Monstrum koste, will ich wissen. «Etwa eine halbe Milliarde Franken», sagt Technikchef Dirk Breuer. «Das verdünnte Fasergemisch aus Altpapier und frischen Holzstofffasern wird auf der Papierbahn eingedüst, gepresst und entwässert», erklärt Breuer, «anschliessend saust es mit bis zu 115 km/h durch 31 dampfbeheizte Zylinder und wird so getrocknet.» Nochmals pressen und glätten, dann wird das Papier auf einen gigantischen Tambour aufgerollt. Eine solche Papierrolle ist 9,6 m breit, 4 m dick und bis zu 115 t schwer. Vom Alt- zum Neupapier in theoretisch etwa drei Stunden, wobei «wir innerhalb der Prozessschritte natürlich viel Puffervolumen haben, falls eine Produktionslinie ausfallen sollte.» Zusammen mit der PM4, der Maschine für das glattere, glänzende Magazinpapier, «spuckt» die PM7 jährlich 560 000 t Papier aus. 

Wir konnten unseren CO2-Ausstoss um jährlich 90'000 t verringern.
Dirk Breuer, Leiter Technik und Energie

Ordentlich «Pfuus» für die «Papieri»

Die Perlen Papier AG entspricht flächenmässig etwa 60 Fussballfeldern. Das gesamte Unternehmen mit Holzschnitzelverarbeitung und Papierherstellung verbraucht jährlich 600 Gwh Strom – ähnlich viel wie die Stadt Luzern. «Wir sind der grösste Einzelverbraucher der Schweiz», sagt Dirk Breuer. Den meisten Strom liefert CKW, etwa 6 Prozent stammt aus Eigenproduktion: «Wir haben zwei Flusskraftwerke, eine MAN-Dampfturbine und ein Biomassekraftwerk – alles auf modernste Standards optimiert und Teil des CKW Flexpools.» Der überwiegende Teil des benötigten Dampfes stammt von der Abwärme der benachbarten Renergia, der neuen Kehrichtverbrennungsanlage. «Dadurch haben wir unseren CO2-Ausstoss um jährlich 90'000 t verringert.» Welche Energieeffizienzmassnahmen liegen noch drin? «Die grössten Möglichkeiten sind ausgeschöpft. Weitere Massnahmen werden laufend geprüft», sagt der Technik- und Energiechef.

Die geschnittenen Papierrollen, bevor sie verpackt werden.

Schneiden, verpacken, verschicken

Zurück zu den gigantischen Tambouren, den Papierrollen, wo das Papier per Laserverfahren vermessen, auf die bestellten Grössen geschnitten, gewogen, zur Verpackung spediert und etikettiert wird. «Läuft alles automatisiert», sagt Produktionsleiter Karsten von Malottki, «unsere Operateure steuern und überwachen die Prozesse am Bildschirm.» In der riesigen Lagerhalle türmen sich die verpackten Papierrollen, bevor sie zu Verlagen und Druckereien in der Schweiz und in Europa transportiert werden. Und dann? Dann werden wieder Buchstaben auf das frische Papier gedruckt, es entstehen Zeitungen, Prospekte und Magazine, die irgendwann wieder als Altpapier in Perlen landen. Die Recycling-Reise beginnt von vorn. 

«Papieri» mit Systemdienstleistung von CKW

Die Perlen Papier AG bezieht Strom via CKW direkt vom Grosshandelsmarkt. Damit ist das Unternehmen den marktüblichen Preisschwankungen ausgesetzt, wobei CKW die Risiken der Prognoseabweichungen trägt. Weiter ist die Papierfabrik mit ihren Energieproduktionsanlagen im CKW Flexpool, wo sie ihre Systemdienstleistungen an die Schweizer Netzgesellschaft Swissgrid vermarktet. Dank Marktzugang über CKW ist das Unternehmen in der Direktvermarktung vor Marktrisiken geschützt und generiert so höhere Erlöse als mit der kostenorientierten Einspeisevergütung. 

Erfahren Sie mehr über die Systemdienstleistungen von CKW

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