Immer besser werden

Gartenhochhaus Aglaya im Suurstoffi-Areal in Risch Rotkreuz

Auf dem Suurstoffi-Areal in Risch Rotkreuz baut die Zug Estates Gruppe derzeit das Gartenhochhaus Aglaya. Ein begrünter Wohnturm, wie ihn die Schweiz noch nie gesehen hat. Marianne Limacher ist als Lean Managerin ein wichtiger Baustein im ganzen Entstehungsprozess.

Text: Luk von Bergen, Bilder: Philipp Schmidli, Erschienen: Central 2/2019

Ein Freitag im April, 08:45 auf der Aglaya-Baustelle: Taktsteuerungssitzung, neudeutsch Shopfloor Meeting. Vom Plattenleger über den Elektriker bis zum Gipser – Vertreter aller Gewerke, die an diesem Tag auf der Baustelle arbeiten, treffen sich zum Austausch. Sie geben einzeln den Stand ihrer Arbeiten durch und weisen auf allfällige Verzögerungen oder Probleme hin. Auch Roger Eicher, Projektleiter von CKW, ist an dieser viertelstündigen Sitzung dabei. «Wir erstellen heute die Steigzonenbeleuchtung, im zehnten Obergeschoss machen wir die Wohnungsmontagen fertig, und auf dem Dach installieren wir die Befeuerungsanlage », lautet sein aktueller Stand. Soweit alles auf Kurs an diesem Tag, bis auf den Logistiker, der meldet, dass ein Personenlift ausgefallen sei und nächstens repariert werde. Die Männer gehen wieder an die Arbeit. Zurück bleibt eine Frau, die zwar an dieser Sitzung nichts gesagt, aber aufmerksam zugehört hat. Denn sie ist es, die den ganzen Prozess, den ganzen Baustellentakt beinahe minutiös beobachtet: Marianne Limacher, die
Lean Managerin von nifty4D GmbH.

  • Aglaya – zu Hause in der Suurstoffi 

    Das Suurstoffi-Quartier in Risch Rotkreuz ist ein Entwicklungsprojekt der Zug Estates Gruppe. Es bietet voll ausgebaut etwa 7’000 Personen Platz zum Wohnen, Arbeiten und Studieren. Das über 100’000 m2 grosse Areal ist autofrei und soll im Endausbau möglichst ohne CO2-Emissionen betrieben werden. Geheizt und gekühlt wird mittels Erdspeicher und Gebäudeabwärme, Strom kommt von den arealeigenen Solarstromanlagen. Im 70 Meter hohen Gartenhochhaus Aglaya entstehen nebst den 85 Eigentumswohnungen auch Büro- und Gewerbeflächen. Der rundum begrünte Wohnturm gilt bereits jetzt als Leuchtturmprojekt für künftige Siedlungskonzepte. Vor zwei Jahren wurde das Bauprojekt mit dem «Arc-Award», einem Architekturpreis, in der Kategorie «Building Information Modeling (BIM) – Innovation» ausgezeichnet.

Lean Management – auf Anhieb besser

«Ich sehe mich nicht als Kontrolleurin», sagt Marianne Limacher. «Aber bei täglich weit über hundert Leuten auf der Baustelle ist es wichtig, dass alles nach Plan läuft.» Heisst: Limacher prüft, ortet Prozessfehler, macht auf Verzögerungen aufmerksam, tauscht sich mit Handwerkern und Projektleitern aus – gemäss Lean Management eben. «Der Begriff ‹Kaizen› ist mir eigentlich lieber als Lean Management. Diese Herangehensweise stammt ursprünglich aus Japan.» Man spricht auch vom Toyota-Produktionssystem, das letztlich die Grundlage des heutigen westlichen Lean Management bildet. Der Autohersteller hat Mitte des letzten Jahrhunderts Systeme konzipiert, um jede Art von Verschwendung in der Autoproduktion zu eliminieren. «Dazu gehören stabile Prozesse, klare Zeitpläne und Ziele, ressourcenschonender Umgang mit Material und Personal – kurzum: das Streben zum Besseren.»

Europa hat diese Herangehensweise vor mehr als zwanzig Jahren vermehrt adaptiert. Marianne Limacher hat das Potenzial der Methode früh erkannt, Lean Management für Industrie und Dienstleistung studiert und doziert zum Thema «Lean Construction Management» an der Fachhochschule Nordwestschweiz. «Das Prinzip ist in vielen Branchen anwendbar und wird sich wohl in den nächsten Jahren vielerorts durchsetzen.»

Lean Management ist das Streben zum Besseren – und das auf allen Ebenen
Marianne Limacher, Lean Managerin

Aglaya – alles nach Plan

Im Falle der Aglaya-Baustelle arbeiten die Handwerker nach dem Prinzip des «Lean Construction», nach einem verbindlichen Takt, nach klaren Auftragskarten für jede einzelne Arbeit. Diese wurden bei der Bauplanung zusammen mit der Bauleitung und den einzelnen Baugewerken ausgearbeitet und digital erfasst. «Im Falle von CKW sieht man in so einem Arbeitspaket beispielsweise, wann und in welchem Stockwerk der Elektriker die Rohre in die Trockenbauwand einlegen und die Anschlüsse vorbereiten muss», erklärt Marianne Limacher.

Danach ist der Gipser an der Reihe, anschliessend der Maler, sogenannte Gewerkezüge, die präzise getaktet immer in die gleiche Richtung verlaufen. «Die Handwerker füllen nach getaner Arbeit die Auftragskarten digital aus, tragen die Arbeitsdauer und allfällige Prozessstörungen ein, denen ich dann auf den Grund gehe.» Dieses System bringt auch Vorteile für die involvierten Betriebe, da sie ihr Personal verlässlich einplanen und aufgrund der Angaben auch Arbeitsstatistiken erstellen können. Limacher selbst schaut täglich, dass diese digitalen Systeme à jour sind und der Bau somit auf Kurs bleibt.

Lean Managerin Marianne Limacher und CKW-Projektleiter Roger Eicher

Vom BIM zum bewohnten Grünturm

Am Anfang jeder Baustelle steht ein Plan. Im Falle von Aglaya arbeiten die Bauherren der Zug Estates AG mit BIM, der Methode des «Building Information Modeling». Eine Art digitaler Zwilling des Projekts – digital, dreidimensional, transparent. «Das BIM ist unsere ‹Single Source of Truth›, hier sind alle Projektinformationen an einer Stelle gesammelt.

Wenn zum Beispiel ein Elektriker wissen will, wo genau die Leitungen durchlaufen, kann er dies im eigens angefertigten Elektromodell des Wohnturms prüfen», sagt Marianne Limacher. Auch die individuellen Konfigurationen der Wohnungskäufer sind ins System eingepflegt. Ob Armaturen, Küchen oder dimmbare Lampen: Für den Handwerker ist so klar ersichtlich, wo er was installieren muss. «Dank BIM lässt sich auch optisch überprüfen, ob einzelne Räume oder die Fassade exakt der Planung entsprechen. Denn digital existiert
Aglaya längst.» Marianne Limacher ist an jenem Freitag zufrieden mit der Arbeitswoche: «Derzeit wird alle drei Tage eine Küche eingebaut oder ein Badezimmer fertiggestellt. Der Innenausbau läuft auf Hochtouren.» Der gestaffelte Bezug des Gartenhochhauses Aglaya ist per viertes Quartal 2019 geplant. Die Lean Managerin freut sich auf diesen Moment: «Ich bin sehr gespannt, wie das Hochhaus aussieht, wenn alle Pflanzen da sind. Aber eins steht schon jetzt fest: Das wird ein einmaliges Gebäude.»

  • CKW auf der Aglaya-Baustelle

    Der Geschäftsbereich Gebäudetechnik von CKW führt auf der Aglaya-Baustelle einige grössere Arbeiten aus: sämtliche Stark- und Schwachstrominstallationen in den Wohnungen und Technikräumen, die Verkabelung des Pflanzenbewässerungssystems sowie die Installation der Stromschienen in der Einstellhalle für die bauseits gelieferten Ladestationen der Elektromobilität:

    www.ckw.ch/elektro

Wir verwenden Cookies auf dieser Webseite, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung zu ermöglichen. Bitte bestätigen Sie mit Klick auf „Weiter“ dass Sie die Nutzung von Cookies akzeptieren. Weitere Informationen zu unseren Datenschutzpraktiken finden Sie auf ckw.ch/datenschutz