Im Element

«Ich will am Abend sehen, was ich geleistet habe»

Die Krienser Stiftung Brändi integriert seit 50 Jahren Menschen mit Behinderung in Arbeit, Gesellschaft und Kultur. Einer dieser Mitarbeitenden ist der 41-jährige Sempacher Marco Stadelmann. Er arbeitet seit einem Vierteljahrhundert in der Schreinerei der Stiftung und legt dabei eine Arbeitsmoral an den Tag, die vorbildlich ist.

Text: Luk von Bergen, Bilder: Philipp Schmidli, Erschienen: Central 3/2018

Schutzbrille auf, Gehörschutzpfropfen rein. Die Maschinen lärmen, surren, sägen – Hochbetrieb in der Schreinerei der Stiftung Brändi in Horw. Schreiner Stadelmann schaut prüfend auf die Uhr. Viertel vor zehn. Eigentlich hätte der Interviewtermin um halb zehn starten sollen, doch der Autor dieses Artikels hat sich etwas verspätet. Man merkt sofort: Herr Stadelmann nimmt es genau, gibt sich gleichzeitig aber auch unkompliziert. Wir duzen uns schon bei der Begrüssung. Für ihn sei so ein Interview sowieso kein Problem, sagt er. «Zeitung, Radio, ich habe schon für alle Auskunft gegeben.» Aber, so stellt er gleich von Anfang an klar: «An dieser Maschine hier kannst du dann kein Foto machen, die ist gerade nicht in Betrieb.» Ganz schön aufmerksam, dieser Mann aus Sempach – und natürlich längstens wach. «Ich stehe um halb sechs auf, und um zwanzig nach sieben bin ich in der Schreinerei.» Marco, ein Schreiner aus Leidenschaft.

Marco Stadelmann bei der Arbeit

Ausdauer und Diszipliniert

«Ich mache hauptsächlich Grossaufträge wie Kisten für den Bau», sagt Marco nicht ohne Stolz. Es handelt sich dabei um Transportkisten für Kunststoff- Schweissgeräte der Obwaldner Firma Leister, die in Australien, Amerika, Deutschland oder Italien zum Einsatz kommen. «Für mich ist das ein Aufsteller. Da setzt du Kisten zusammen, die von einem Lastwagen abgeholt werden, und irgendwo auf der Welt brauchen sie die dann. Das ist wunderschön.» Marcos Arbeit ist nichts für Ungeduldige. Werkstattleiter Pius Koch zeigt auf Berge zugeschnittener Teile. «Wir stellen jährlich zweitausend dieser Kisten her. Marco muss dabei viel Ausdauer beweisen und diszipliniert arbeiten», sagt Koch. Und Marco tut das gern. Er ist einer der wenigen, die auch diverse Maschinen bedienen dürfen. «Da muss man schon aufpassen. Sie erklären mir in der Werkstatt Schritt für Schritt, wie die Maschine funk- tioniert und was ich dann zu tun habe. Das gefällt mir, denn so lerne ich immer etwas dazu.» 

Seit einem Vierteljahrhundert mit dabei

«Immer Schreiner», antwortet Marco auf die Frage, ob er während seiner 25 Jahre bei Brändi auch mal andere Arbeiten erledigt habe. «Ich habe hier 1994 die Stifti gemacht und bin seither in der Schreinerei.» Und, immer motiviert? «Nein, das merke ich am Morgen ganz gut, wenn es mir manchmal ein bisschen ‹stinkt›. Aber ich bin ja froh, dass ich arbeiten kann.» Und falls er dann mal doch nicht so in die Gänge kommt, singt oder pfeift er ein Lied. Welches denn? Verschiedene. Marco mag Volkstümliches, Örgelimusik, wobei man in seinem Alter auch mal Härteres höre: «Es darf auch richtig laut sein – Heavy-Metal-Musik finde ich gut.» An den Wochenenden ist Marco oft draussen. Im Sommer erholt er sich beim Baden oder Nordic Walking, im Winter beim Schlitteln und Langlaufen. Aber bevor er seine Freizeit geniesst, ist es ihm sehr wichtig, dass er am Freitagabend zufrieden auf die erledigte Arbeit schauen und sagen kann: «Hesch weder öppis gläischtet die Woche!» 

Marco Stadelmann schiebt ein Palette

Die Stiftung Brändi: Sozial und professionell

Der Grundstein für die heutige Stiftung Brändi wurde 1968 in Horw gelegt. Das damalige «Arbeitszentrum für Behinderte Luzern» wurde vom Elternverein Insieme, der Stiftung Rast und dem Kanton Luzern initiiert und bot Arbeitsplätze für  12 Menschen. Inzwischen ist die Stiftung Brändi mit  15 Unternehmen und rund 1’800 Beschäftigten eine der grössten Arbeitgeberinnen in der Zentralschweiz. Nebst Industriebetrieb, Ausbildungscenter, Gärtnereien und Shops bietet die soziale Institution auch 340 Plätze für betreute Wohnformen an. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen beruflich, gesellschaftlich und kulturell zu integrieren.

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