Energiegespräch mit Martin Kyburz

«Den offenen, klaren Geist bewahren»

Vom Opa-Mobil übers postgelbe Zustell-Dreirad bis zum Spass-Beschleuniger eRod: Kyburz Switzerland baut Elektrofahrzeuge, die in Sachen Qualität ihresgleichen suchen. Firmengründer Martin Kyburz über Einfachheit, Elektronenflüsse und emissionsfreie Emotionen.


Text: Andreas Turner, Bilder: Markus Lamprecht, Erschien: Meine Energie 2-19

Herr Kyburz, alle Zeichen in der Mobilität stehen inzwischen auf «E» wie Elektro. Ist der Batterie-E-Antrieb fertig erfunden – oder erwarten Sie noch Quantensprünge?

Die heutige Technologie ist auf dem Punkt. Vor allem, weil sie so einfach ist wie kein anderes System. Der Elektronenfluss in den Batterien wird sicher weiter optimiert. Aber sonst? Nehmen Sie einen Steinway-Flügel, der war schon 1890 perfekt. Wenn Sie heute einen neuen kaufen, so unterscheidet er sich nicht vom Produkt von damals. Er ist ausgereift. Es geht nicht besser. 

Können Sie dem Verbrennungsmotor noch eine Spur Faszination abgewinnen?

Ich nehme wahr, dass die Entwicklung auch dort nicht stehen geblieben ist. Es gibt heute zur Effizienzsteigerung sogar eine Wassereinspritzung für die Treibstoff-Gemischbildung. Ich würde diese Technologie allerdings niemals in ein Fahrzeug einbauen wollen. Das ist doch die reinste Chemiefabrik, die alle Verbrennerautos immer noch an Bord haben! Kontrollierte Explosionen, Flüssigkeiten knapp am Siedepunkt, Thermikregelungen, Abgasreinigung – all das brauche ich doch heute nicht mehr. Das ist ja gerade das Schöne an der Elektromobilität.

Ihre Firma Kyburz Switzerland wird bald dreissig Jahre alt. Mit Ihren E-Mobilen haben Sie diverse Nischen schon früh sehr klug besetzt. Wie kam es zu Ihrem Beitritt zum Verband Swisscleantech, der «sauberes Wachstum» propagiert?

Die Alternative wäre ja der schmutzige Status quo, nicht? (Lacht.) Mir hat sehr gefallen, was ich dort gesehen habe: Potenzial für saubere Zukunftslösungen gibt es ohne Ende. Was auch mich immer umtreibt, ist die Frage: Welche Hilfsmittel kann ich bieten, die dem Menschen dienen, aber die Umwelt schonen? Wie packe ich das praxisgerecht an?

Angepackt haben Sie etwa das Projekt der selbstfahrenden «Buddy Mobility» mit der norwegischen Post.

Da rollt anstelle eines Verträgers ein smartes, mehrstöckiges Euro-Palett autonom ins Quartier und meldet den Bewohnern via Smartphone, dass es Briefe oder kleine Pakete in ihren mobilen Postfächern abzuholen gibt.

Mehrheitlich aber verteilen noch Verträger aus Fleisch und Blut die Post – in der Schweiz und anderswo mit dem berühmten Kyburz-Modell DXP. Diese sind ja dauernd auf Achse. Wie koordinieren Sie da Service und Unterhalt?

Zunehmend mit Telemetrie. Vor allem haben wir eine Lösung gebraucht für die Kyburz-Flotten in Neuseeland, Australien, Island und Skandinavien. Eine Box an jedem Fahrzeug sendet uns alle technischen Daten und Positionen. Mit diesem «Fleet Monitoring» lassen sich verrückte Dinge anstellen. So können wir manchen Defekt bereits erkennen, bevor er tatsächlich auftritt. Künftig wollen wir auch Gewichts- und sogar meteorologische Daten auswerten.

Wie entstand Ihr puristisches Funmobil-Projekt eRod?

Angesichts der immer noch fortschreitenden Komfortexzesse gerade in der Luxuslimousinenindustrie wollte ich wieder mal zurück an die Basis. Ich fragte: Was brauche ich? Räder, Lenkung, Bremsen, Fahrwerk, Antrieb, Pedale. Fertig! Keine Heizung, keine Lüftung, keine Scheiben, kein Garnichts.

  • Martin Kyburz (53)

    ist Maschinenmechaniker und Elektroingenieur. In seiner Firma Kyburz Switzerland, die er 1991 gründete, gilt das Credo: «Wir entwickeln Produkte, die auf Mensch und Umwelt einen positiven Einfluss haben.» Mit seinen rund 80 Mitarbeitern stellt Kyburz elektrische Mobilitätslösungen auf die Räder, die sowohl gewerblichen Zwecken als auch purem Fahrspass dienen. Digitalisierung, Vernetzung und Big Data dienen dazu, Umfang und Qualität der Dienstleistungen laufend zu steigern.

    kyburz-switzerland.ch

    Martin Kyburz

Keine Sektkühler, keine automatischen Sonnenrollos. Beim Smart hatte man für diese Selbstbeschränkung einen Slogan: Reduce to the max.

Beim Smart hat man’s so geschrieben, ich setze die Idee tatsächlich um. Ohne Kompromisse. Ich will einen Gitterrohrrahmen ohne Verschalung. Nur die Teile, ohne die es nicht geht.

Um damit auch ins Gelände zu fahren, wie mit dem neuen eRod offroad?

Die Leute sollen doch auch künftig noch crossen dürfen, auf Schnee oder in der Kiesgrube, aber bitte mit einem absoluten Minimum an lokalen Emissionen, damit das Ganze einen neuen Fokus bekommt.

Ihre Meilensteine in der beruflichen und persönlichen Entwicklung?

Dass der Elektroantrieb die Mobilität einem eigentlichen Entschlackungs und Reinigungsprozess unterzogen hat. Ein System soll so simpel wie möglich sein. Ganz nach dem Zen-Prinzip, sich den offenen, klaren Geist zu bewahren. Zwei Autos? Ist eines zu viel. Ein Bankkonto? Reicht. Eine Frau als Partnerin? Alles andere habe ich nicht im Griff, ist mir zu komplex. Wenn ich nach dieser Maxime lebe, wird unglaublich viel Energie freigesetzt. Es ist mir eine Freude, diesen Gedanken hinauszutragen.

  • Einfach aufladen

    Fahren Sie tagsüber klimaschonend und laden Sie Ihr E-Auto nachts zu Hause auf. CKW bietet für jeden Fall die passende Ladelösung – egal ob Einfamilienhaus oder Mehrfamilienhaus, Eigentümer oder Mieter:

    ckw.ch/elektromobilitaet 

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