Von Bergen begeistert

Vom Tal auf den Gipfel

Von Engelberg aus über das «End der Welt» bis auf die Fürenalp: wie Julie Schwarzentruber vom Verein Luzerner Wanderwege an einem sommerlichen Samstag rund 30 Wanderbegeisterte in die Höhe führt.

Text: Isabelle Frühwirt, Bilder: Conrad von Schubert, Erschien: Meine Energie 3-19

Peter (91) will hoch hinaus. Genauer gesagt, 1'000 Höhenmeter hoch auf die Fürenalp. «Traust du dir das wirklich zu?», fragt ihn die Wanderführerin Julie Schwarzentruber. Peter nickt. «Wir müssen aber zügig gehen, um die Fürenalp vor dem Gewitter zu erreichen», wendet Julie ein. Peter will noch immer. «Gut, aber du gehst direkt hinter mir», sagt Julie. «Dann schauen wir in einer halben Stunde nochmal, ob du das Tempo halten kannst.» Vor der rund 30-köpfigen Wandergruppe liegt ein einstündiger, steiler Aufstieg vom «End der Welt» in Horbis über eine mit Felsbrocken übersäte Weide unter dem Hahnen bis zum Höhenweg. Dieser führt zum Ziel der Wanderung, der Fürenalp auf 1'850 Metern über Meer.

Wanderung Engelberg bis Fürenalp

Wandern verbindet

«Mein oberstes Ziel ist es, alle sicher ans Ziel zu bringen», sagt die 61-jährige Wanderführerin Julie. «Dabei muss man natürlich auch auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden achten.» Seit über 20 Jahren leitet sie für den Verein Luzerner Wanderwege geführte Wanderungen in der Zentralschweiz. Julie ist auf einem Ostschweizer Bauernhof aufgewachsen. «Wir gingen nicht oft mit der Familie wandern», erzählt sie. 

Die schöne Alpenflora und die körperliche Betätigung gefallen mir beim Wandern
Julie Schwarzentruber, Wanderführerin

Erst nachdem sie mit 30 Jahren nach Luzern gezogen war, entdeckte sie das Wandern für sich. «Vor allem die schöne Alpenflora und die körperliche Betätigung gefallen mir daran.» Dabei hat sie neue Freunde und auch ihren heutigen Partner – ebenfalls ein Wanderleiter – gefunden. «Ich war oft auf seinen Wanderungen dabei, das hat mir so gefallen, dass ich selbst Wanderleiterin werden wollte», sagt Julie. In einem Wanderleiter-Kurs holte sie sich das Rüstzeug dafür: Karten lesen und planen einer Wanderung, Kenntnisse in Erster Hilfe, eine Gruppe führen und die Natur kennenlernen.

Wettervorhersage vom Bauern

Die Wanderstöcke werden hervorgeholt, die Gruppe macht sich an den Aufstieg. Zuerst durch ein Waldstück, dann über die Weide unter dem Hahnen. Bald verebben die Gespräche, denn es geht steil hinauf. Peter hält mit. Gleichmässigen Schrittes folgt er Julie den kurvigen Pfad hoch zum Höhenweg. Dort angekommen, erkundigt sich Julie nach dem Befinden der anderen Wanderer. «Super!», finden diese einstimmig. Julie checkt ein weiteres Mal die Wettervorhersage, schaut prüfend in den bewölkten Himmel und entscheidet, die Wanderung fortzusetzen. Kurz instruiert sie die Gruppe, was im Falle eines Gewitters zu tun wäre: «Weg mit den Stöcken aus Metall; dann geht ihr auseinander und kauert euch auf den Boden, so bietet ihr am wenigsten Angriffsfläche für den Blitz.»

Etwas später trifft die Gruppe auf einen Bauern, der einen Zaun repariert. «Nur weiter», meint auch er, das Gewitter komme nicht vor dem Mittag. «Er wird es wissen», sagt Elisabeth. Sie hat sich als Schlusslicht für die heutige Wanderung anerboten – «damit keiner verloren geht». Die passionierte Wanderin und Julie kennen sich bereits seit über 20 Jahren. Elisabeth nimmt denn auch oft an einer von Julie geführten Wanderung teil.

Botanischer Lehrgang à discrétion

Mittlerweile hat die Gruppe den Höhenweg und damit auch den letzten Aufstieg erreicht. «Schau dir mal diesen Fingerhut an!», sagt Trudi und zeigt mit ihrem Wanderstock auf eine Pflanze am Wegrand. «Wunderschön», meint Marianne. «Und die Kugelorchideen hier beginnen auch schon zu blühen – man erkennt sie gut an ihren Blättern.» Es gibt kaum eine Pflanze, die die beiden botanisch beschlagenen Frauen auf der Wanderung von Engelberg auf die Fürenalp nicht kennen. Da haben sie genau die richtige Zeit erwischt, denn die sommerliche Alpenflora hat einiges zu bieten. «Das mag ich besonders am Wandern», sagt Trudi, «all die schönen Pflanzen und Blumen zu entdecken.»

Wanderung Engelberg bis Fürenalp – kleine Pause


Die 78-jährige Marianne hat ihre Freude an Bergwanderungen erst nach ihrer Pensionierung entdeckt. «Ich mag dieses Gefühl des ‹Obenseins›, wo ich alles überblicken kann», sagt sie. Auf der Fürenalp erwartet sie passend dazu ein grossartiges Bergpanorama – trotz einigen Wolken: Hahnen, Wissberg, Schlossberg, Chli und Gross Spannort sowie natürlich der Titlis. Auch Julie freut sich – alle sind heil und zufrieden oben angekommen und bedanken sich bei ihr für die schöne Wanderung. Auch Peter, der zufrieden auf einer Bank beim Aussichtspunkt in die Ferne blickt. 

Energie aus Bewegung

Der Verein Luzerner Wanderwege unterhält mehr als 2'700 Kilometer Wanderwege im Kanton Luzern. Freiwillige Bezirksleiter kontrollieren die Wege auf Mängel und er neuern die Signalisierungen. Zudem organisieren erfahrene Wanderleiter jährlich rund 50 geführte Wanderungen in der ganzen Schweiz. CKW ist seit 2007 Hauptsponsorin des Vereins und unterstützt so die beliebte Breitensportart Wandern. 

Wir verwenden Cookies auf dieser Webseite, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung zu ermöglichen. Bitte bestätigen Sie mit Klick auf „Weiter“ dass Sie die Nutzung von Cookies akzeptieren. Weitere Informationen zu unseren Datenschutzpraktiken finden Sie auf ckw.ch/datenschutz