Smart-Home-Ratgeber

Was es bei Smart Homes zu beachten gilt
Haben Sie Fragen?

Das smarte Haus ist keine Vision mehr. Gleichwohl gibt es noch manche Tücken zu überwinden, damit es einfach umgesetzt werden kann. Im folgenden Interview erklärt CKW-Experte Julien Lehner, was Smart-Living-Konzepte alltagstauglich macht.

Erschienen: Elektrotechnik 3/19

Längst ist die CKW in Luzern nicht mehr nur Stromversorger, sondern engagiert sich unter anderem auch in der Gebäudeautomation. Inzwischen sind schon mehr als 300 Gebäudeautomationsprojekte umgesetzt worden. Julien Lehner leitet diesen Bereich seit 2014. Der gelernte Elektromonteur mit einer Weiterbildung zum Techniker hat diverse entsprechende Produkteschulungen durchlaufen und macht keinen Hehl daraus, dass er auch persönlich ein grosses Interesse an modernen Technologien pflegt. Eine gute Ausgangslage also, um von ihm zu erfahren, was es braucht, um Automationskonzepte umzusetzen, die das Leben zu Hause einfacher und sicherer machen.

  • Julien Lehner

    CKW-Experte Julien Lehner


    CKW-Experte Julien Lehner nennt die Treiber für das Smart Home und weist gleich noch auf Stolpersteine sowie «Must-haves» hin.

Längst ist die CKW in Luzern nicht mehr nur Stromversorger, sondern engagiert sich unter anderem auch in der Gebäudeautomation. Inzwischen sind schon mehr als 300 Gebäudeautomationsprojekte umgesetzt worden. Julien Lehner leitet diesen Bereich seit 2014. Der gelernte Elektromonteur mit einer Weiterbildung zum Techniker hat diverse entsprechende Produkteschulungen durchlaufen und macht keinen Hehl daraus, dass er auch persönlich ein grosses Interesse an modernen Technologien pflegt. Eine gute Ausgangslage also, um von ihm zu erfahren, was es braucht, um Automationskonzepte umzusetzen, die das Leben zu Hause einfacher und sicherer machen.


Smart Home ist heute keine Filmfantasie mehr. Doch wen sprechen Sie damit an?

Julien Lehner: Wir haben die Entwicklung von Smart Home und von der Gebäudeautomation in den letzten Jahren sehr nah miterlebt. Anfänglich mussten wir viel Aufklärungsarbeit leisten. Heute kommen die Kunden mit konkreten Vorstellungen und Ideen auf uns zu und wir versuchen gemeinsam und produkteunabhängig, die bestmögliche Lösung zu finden. Vor ein paar Jahren waren es eher technisch interessierte Personen, die sich ein Smart Home geleistet haben. Inzwischen gibt es kein typisches Bild eines Smart-Home-Kunden mehr. Jeder, der ein Smartphone nicht nur zum Telefonieren nutzt, ist auch ein potenzieller Smart-Home-Kunde.

Welche Bedeutung kommt dem Bereich bei der CKW zu?

In den letzten Jahren ist das wachsende Interesse sehr stark spürbar. Mit der Vielfalt der Anbieter und der Weiterentwicklung der Lösungen steigt auch die Präsenz in den Medien. Dies führt dazu, dass sich die Bauherren mit ihren Anfragen vermehrt an unsere Lieferanten und uns richten. Dafür haben wir ein Team von inzwischen 15 Personen aufgebaut. Das Team beschäftigt sich mit allen Aspekten der Gebäudeautomation. Neben Smart-Home-Lösungen bieten wir Dienstleistungen in den Bereichen Heizungs-, Lüftungs- und Klimasteuerungen sowie MSRL (Mess-, Regel- und Leittechnik) für alle Gebäudetypen und -grössen an. Wir unterstützen den Kunden von der Konzeptphase über die Installation und die Inbetriebnahme bis hin zur Betreuung und Optimierung im laufenden Betrieb.

Sind Smart Homes keine Nische mehr?

Nein. Eine Nische ist der Bereich Smart Home aus meiner Sicht nicht mehr, dafür ist das Thema zu präsent. Wir können aber auch noch nicht behaupten, dass die Gebäudeautomation bei jedem Bauprojekt so detailliert thematisiert wird, dass man von einem Alltagsthema sprechen könnte.

Was sind die Treiber für Smart Homes?

Grundsätzlich ist das erhöhte Bedürfnis nach Komfort, Sicherheit und oder Energieeffizienz Auslöser für den Entscheid, sich mit dem Thema Smart Home genauer auseinanderzusetzen. So können mit einer intelligenten Steuerung beispielsweise eine Einbruchmeldeanlage und ein Energiemanagement mit dem gleichen System realisiert und über dieselbe Oberfläche bedient werden. Durch die Integration der verschiedenen Bedürfnisse wird die Bedienung erleichtert und die Kosten gegenüber mehreren verschiedenen Systemen reduziert werden.

  • Vier Ratschläge für Smart-Home-Interessierte:

    • Ziehen Sie einen Spezialisten bei. 
    • Planen Sie ihr Smart Home so, dass einem Ausbau in Zukunft nichts im Weg steht. Beispielsweise macht es nur begrenzt Sinn, nur das Licht und die Storen, ohne die Raumklimaregulierung, ans System anzubinden, wenn die Taster bereits einen Raumtemperaturfühler enthalten.
    • Seien Sie sich bewusst, dass ein Smart Home im ersten Moment zusätzliche Kosten gegenüber einer konventionellen Installation verursacht. Weitere Funktionen sind dann jedoch einfacher realisierbar.
    • Legen Sie beim Bau eines Gebäudes die Gebäudetechnik für die nächsten mindestens 20 Jahre aus. Die Technik wird nicht stehen bleiben.

Welche Faktoren begünstigen den Einstieg in die Smart-Home-Welt?

Durch die hohe Anzahl an Systemen, die lizenzfreie Software anbieten und einen immer einfacheren Einstieg in die Programmierung und Inbetriebsetzung versprechen, ist die Hürde nicht mehr allzu gross. Wir haben allerdings die Erfahrung gemacht, dass eine professionelle Betreuung von Gebäudeautomationssystemen die regelmässige Arbeit mit denselben voraussetzt. Denn keines der Systeme ist derart einfach aufgebaut, dass es ohne vertiefte Materialkenntnisse, Erfahrung oder mithilfe eines Spezialisten beim ersten Einsatz effizient umgesetzt werden kann.

Wen müssen Sie dazu alles einbinden?

Im Idealfall wird ein Gebäudeautomationsspezialist bereits beim Vorprojekt, also gleichzeitig wie die Planungsfirmen, ins Projekt involviert. Denn die Auslegung des Systems und die damit verbundenen Abklärungen mit der Bauherrschaft haben Einfluss auf die Projektpläne und die gesamte Gebäudetechnik. Durch den frühen Miteinbezug eines Spezialisten können die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Gewerken beim Einsatz eines übergeordneten Systems, was ein Smarthome-System schlussendlich ist, so weit wie möglich vereinfacht oder gar beseitigt werden.

Sieht das bei Nachrüstungen anders aus?

Der direkte Kontakt mit dem Kunden wird im Falle einer Systemablösung oder Nachrüstung besonders wichtig. Im ersten Schritt geht es darum, die Anforderungen an das System zu klären und die Gegebenheiten vor Ort zu kennen. Je nach Grösse und Komplexität kann es Sinn machen, weitere Planungsfirmen und die Installationsfirmen von Beginn an miteinzubeziehen.

  • Vier «Must haves» für Smart Homes

    • Übertragungsmedium: Setzen Sie für das Grundgerüst ein vom Heimnetzwerk unabhängiges Übertragungsmedium wie beispielsweise eine Busverkabelung.
    • Visualisierung: Die Visualisierung bietet nicht nur den Komfort, das Gebäude über das Handy bedienen zu können. Sie hat auch den Vorteil, dass Sie eine zentrale Übersicht erhalten und die Bedienelemente in den Räumen auf ein Minimum reduziert werden können. Wetterstation: Eine
    • Wetterstation bietet unter anderem Möglichkeiten und Vorteile zum Schutz der Beschattungsprodukte und liefert Daten, die für andere Anwendungen im Gebäude genutzt werden können.
    • Vernetzung: Der echte Mehrwert eines Smart-Homes beginnt dann, wenn mindestens die Gewerke Licht, Storen und Raumklima intelligent vernetzt und anwesenheitsabhängig gesteuert werden. Wenn das Gebäude weiss, ob und wo sich die Bewohner im Gebäude befinden, kann es sich optimal auf deren Bedürfnisse einstellen.

Sind Smart Homes noch auf bestimmte Anwendungen begrenzt?

Nein, durch die Vielfalt an kabelgebundenen und kabellosen Systemen sind in Neubauten wie auch in Umbauten fast alle Anwendungen eines Smart Homes umsetzbar. Das Grundpaket besteht aus der Steuerung der Beleuchtung, der Beschattung und des Raumklimas. Diese drei Gewerke werden über die gleichen Sensoren in jedem Raum bedient. Daher macht es Sinn, diese von Anfang an einzubinden, um keine zusätzlichen Schaltelemente an den Wänden platzieren zu müssen. Erweitert wird der Grundausbau dann mit Präsenzsteuerungen, Sicherheitsaspekten wie einer Anwesenheitssimulation oder einer Einbruchmeldeanlage, Multiroom-Musik, Multimedia-Steuerungen, Energiemanagement, Lademanagement für E-Mobility, Zutrittslösungen und vielem mehr.

Was ist beim Bau einer intelligenten Wohnumgebung grundsätzlich zu berücksichtigen?

Obwohl das Nachrüsten möglich ist, ist es nie so einfach wie beim Neubau, ein Gebäude intelligent auszurüsten. Deshalb ist es wichtig, dass man sein Anliegen so früh wie möglich platziert, um sicherzustellen, dass die Installation mindestens Smart-Home-ready geplant wird.

Wie weit sind die Hersteller?

Die Zahl der Smart-Home-Systeme hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Eigentlich alle grossen Hersteller von Elektromaterialien haben ihr eigenes System respektive KNX-taugliche Geräte im Angebot. In Europa und weit darüber hinaus hat sich KNX als Standard in der Raumautomation etabliert. Allerdings haben sich inzwischen viele weitere Systeme auf dem Markt einen Namen gemacht. Speziell im Bereich Smart Home gibt es Systeme wie beispielsweise Loxone oder Innoxel, welche Aspekte eines intelligenten Zuhauses perfekt umsetzen, sich stetig weiterentwickeln und Schnittstellen zur Anbindung an andere Systeme wie etwa KNX wahren, um sich nicht einzuschränken.

  • Stolpersteine für Smart Homes

    • Setzen Sie in Bezug auf die Systemwahl nicht auf Insellösungen, welche nur einzelne Gewerke einbinden können.
    • Vergleichen Sie ein Smart Home nicht mit der konventionellen Installation. Die Möglichkeiten und Bedienphilosophien unterscheiden sich stark. Lassen Sie sich die Möglichkeiten live vorführen und erleben.
    • Verzichten Sie nicht auf fix montierte Bedienelemente wie Taster, denn Sie werden immer froh sein, wenn Sie einen Raum betreten und das Licht über einen Taster bedienen können. Allerdings können diese in einem Smart Home auf ein absolutes Minimum reduziert werden.
    • Fürchten Sie sich nicht vor den Automatismen und der Technik im Smart Home. Wenn ein Smart Home von Beginn weg richtig geplant und konzipiert ist, erleichtert es einem den Alltag und man hat jahrelang Freude damit. 

Es stimmt also nicht, dass die Smart-Home-Technik noch in den Kinderschuhen steckt und teuer ist?

Nein, Smart Home steckt längst nicht mehr in den Kinderschuhen. KNX beispielsweise gibt es in dieser Form seit Jahrzehnten. Auch die Preise haben sich stark verändert. Durch die steigende Zahl an Anbietern und die verschiedenen Ansätze, wie ein Smart Home zu funktionieren hat, hat sich der Preis vieler Komponenten Richtung Massentauglichkeit entwickelt. Die Entwicklung in die Massentauglichkeit ist aber noch nicht ganz abgeschlossen. Einen der Gründe sehen wir darin, dass der Gebäudetechnik vielfach zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird und deshalb das Bugdet dafür entsprechend knapp ausfällt beziehungsweise einem veralteten Denken entspricht. Zu bemerken ist aber, dass die Entwicklung und das Interesse der Bauherren ein Umdenken bewirken. Immer öfter erleben wir, dass bereits im Vorprojekt ein Budgetposten für die Gebäudeautomation reserviert wird.

Wie sieht die Situation bezüglich Vernetzung, IoT- oder Sprachsteuerung aus?

Kein Weg führt an IoT (Internet of Things) vorbei. Dementsprechend beschäftigen sich viele Hersteller damit und bauen Schnittstellen zu ihren jeweiligen Systemen, um die vielen Einzelsysteme ansteuern und einbinden zu können. Auch wir bei CKW beschäftigen uns selbstverständlich damit, beispielsweise haben wir in unserem Showroom für unsere Kunden die Sprachsteuerung Alexa in Betrieb. Man muss allerdings wissen, dass IoT und damit jedes Gerät, welches über eine App ansteuer- oder auslesbar ist, nicht automatisch zu einem Smart Home beiträgt. Der berühmte Kühlschrank mit App und automatischer Nachbestellung ist vielleicht eine lustige Sache, hat aber nichts mit Smarthome zu tun. Smart wird es erst dann, wenn die Vernetzung verschiedener Funktionen und Gewerke zu Automatismen und energetischen oder sicherheitstechnischen Vorteilen führt. So zum Beispiel, wenn die Raumtemperatur-Regelung mit der Beschattung kommuniziert um die Beschattung dann nach Temperatur und Jahreszeit gemäss Bedarf auf- oder abzufahren.

Oft schrecken Sicherheitsbedenken vom Einstieg in die Smart-Home-Welt ab. Warum eigentlich?

Wenn ein Smart Home richtig konzipiert ist, hängt die Sicherheit fast ausschliesslich von der Netzwerkstruktur ab. Wer sein WLan gut schützt und vorsichtig mit externen Diensten wie Hersteller-Clouds umgeht, ist grundsätzlich sicher. Wir empfehlen immer, das System so auszuwählen, dass die system- und funktionsrelevanten Daten nicht ausgelagert, sondern sich auf einem Gerät im Gebäude befinden.

Elektrotechnik ET informiert über alle Bereiche der elektrischen Energie-, Installations-, Licht- und Automationstechnik, Sicherheit, Telematik und Gebäudeautomation

Wir verwenden Cookies auf dieser Webseite, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung zu ermöglichen. Bitte bestätigen Sie mit Klick auf „Weiter“ dass Sie die Nutzung von Cookies akzeptieren. Weitere Informationen zu unseren Datenschutzpraktiken finden Sie auf ckw.ch/datenschutz