Vom Elektroinstallateur zum Rennrollstuhl-Sportler

Ein Sportunfall stellt Fabian Blums Leben auf den Kopf

Nach einem Sportunfall sitzt Fabian Blum im Rollstuhl. Er entdeckt den Rennrollstuhl-Sport für sich – und die Arbeit als Elektroplaner. 

Text: Isabelle Frühwirt | Fotos: Philipp Schmidli | Erschien: Central 1/2020

 

2014 ist der damals 18-jährige Fabian Blum im letzten Lehrjahr. «Die Lehre als Elektroinstallateur hat mir Spass gemacht», sagt er rückblickend. Die vierjährige Ausbildung absolviert er bei CKW in der Geschäftsstelle Pfaffnau. In seiner Freizeit ist er im Kunstturnen aktiv. «Sport war schon immer wichtig für mich, der Barren meine Paradedisziplin», sagt er. «Aber als ich mich damals entscheiden musste zwischen meinen Ambitionen im Kunstturnen und der Ausbildung zum Elektroinstallateur, war der Fall klar.» So wird Kunstturnen zu einem seiner Hobbys. Bis zu jenem verhängnisvollen Samstag im November 2014. Ein Doppelsalto auf dem Trampolin geht schief, Fabian Blum landet auf dem Kopf. «Ich merkte sofort, dass es schlimm war», sagt Fabian Blum. «Ich spürte die Matte unter mir nicht mehr.»

Vom Inselspital ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum

Fabian Blum ist zwar unter Schock, aber bei Bewusstsein. Er wird sofort ins Berner Inselspital eingeliefert. Die Ärzte bestätigen seine Vorahnung – es ist tatsächlich schlimm. In einer Operation richten sie seinen Hals wieder, setzen Platten ein. Doch die Lähmung ab dem fünften und sechsten Halswirbel können auch sie nicht ungeschehen machen. Zwei Tage nach der Operation kommt Fabian Blum ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil.  

«Die Reha im SPZ war hart – psychisch und physisch», sagt er. Wo es körperlich noch möglich ist, baut er Muskeln auf, lernt, mit seiner neuen Situation umzugehen. «Die Unterstützung meiner Familie und meiner Freunde half mir in dieser Zeit sehr.» CKW gibt ihm rasch die Zusage, dass er als Elektroplaner weiterarbeiten kann. «Eine Zukunftsperspektive zu haben, hat mich motiviert», sagt Fabian Blum.  
 

Fabian Blum in seinem Rennrollstuhl im Trainingsraum des Schweizer Paraplegiker-Zentrums in Nottwil

Im neuen Rollentrainingsraum im Schweizer Paraplegiker-Zentrum trainiert Fabian Blum mehrmals pro Woche.

Lehrabschluss als Elektroinstallateur im SPZ

Da der Unfall im vierten Lehrjahr geschieht, fehlt Fabian Blum noch die Abschlussprüfung zum Elektroinstallateur. «Glücklicherweise konnte ich die Prüfung im SPZ absolvieren, die Experten kamen zu mir», erzählt er. Mit Erfolg – Fabian Blum besteht die Abschlussprüfungen zum Elektroinstallateur.  

Die Reha im SPZ dauert insgesamt zwölf Monate. In dieser Zeit wird Fabian Blum auch sportlich wieder aktiv. «Zuerst probierte ich Rugby aus und fand Gefallen an der Sportart», erzählt er. «Dabei habe ich aber gemerkt, dass mir Einzelsport eher zusagt. Wenn es nur auf mich selbst ankommt, liegt einfach mehr drin, was die Optimierung der Performance angeht.» Nach einer kurzen Testphase mit dem Handbike findet Fabian Blum schliesslich mit dem Rennrollstuhl die Sportart, in der er sein Potenzial am besten ausschöpfen kann. 
 

Das Ziel: Die Paralympics in Tokio

Beim Training mit dem Rennrollstuhl ist Fabian Blums ungleichseitige Lähmung eine Herausforderung. «Da die Lähmung in meiner linken Körperhälfte etwas weiter oben beginnt, kann ich beispielsweise die Finger der linken Hand kaum bewegen», sagt er. «Darum bin ich zu Beginn immer schräg gefahren.» Dank hartem Training und den richtigen Belastungsstrategien ist dies mittlerweile kein Problem mehr. So ist er seit letztem Jahr im Schweizer Nationalkader und rast an der EM in Berlin auf den dritten Platz über 1500 Meter. Auch mit dem Ergebnis der WM 2019 in Dubai – dem 10. Rang auf der Sprintdistanz 100 Meter – ist der 24-Jährige zufrieden.

Dank dem Mentaltraining habe ich meine Nervosität nun im Griff.
Fabian Blum, Rennrollstuhl-Sportler und Elektroplaner

Die Spitzenresultate sind nicht nur das Ergebnis von körperlichem, sondern auch von mentalem Training. «Der Aufwand hat sich gelohnt. Heute habe ich meine Nervosität gut im Griff und kann mich voll auf das Rennen konzentrieren», sagt Fabian Blum. Ideale Voraussetzungen, um auch sein nächstes Ziel zu erreichen: die Qualifikation für die Paralympics in Tokio diesen Sommer.

Von der Umsetzung bis zur Planung

Im Oktober 2019 schliesst der gelernte Elektroinstallateur seine Weiterbildung zum Elektroplaner erfolgreich ab. Heute arbeitet er in einem Halbtagspensum in Reussbühl, an einem der beiden CKW-Hauptsitze. Während er früher elektrische Installationen auf Baustellen erstellte, plant er diese heute. «Die neue Arbeit gefällt mir gut», sagt Fabian Blum. «Zudem hilft mir mein praktisches Wissen aus der Lehre jetzt bei den planerischen Überlegungen.» 


Gesucht: Elektroinstallateure und Elektroplaner

Elektroplaner planen, berechnen und zeichnen Stark- und Schwachstromleitungen am Computer. Die Lehre dauert vier Jahre. Elektroinstallateure erstellen, unterhalten und reparieren elektrische Installationen in Gebäuden jeglicher Art. Auch diese Lehre dauert vier Jahre. CKW bietet als grösste privatwirtschaftliche Ausbildnerin der Zentralschweiz immer wieder zahlreiche Lehrstellen für angehende Elektroinstallateure an. 
 

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