Mehr Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien

Interview mit Michael Beer

Wie kann die Schweiz den Ausbau erneuerbarer Energie möglichst effizient vorantreiben? Diese Frage beschäftigt aktuell die nationale Politik. CKW-Regulierungsexperte Michael Beer hat massgeblich bei der Entwicklung eines neuen Konzepts mitgearbeitet. Dieses hat CKW im Rahmen der Vernehmlassung zum Energiegesetz beim Bundesrat eingereicht. 

Interview: Simon Schärer | Bilder: CKW

 

Die aktuellen Förderinstrumente für erneuerbare Energien laufen ab 2023 Schritt für Schritt aus. Warum braucht es nun neue Fördermittel? 

Das Volk hat mit dem 1. Massnahmenpaket zur Energiestrategie 2050 relativ ehrgeizige Ausbauziele für erneuerbare Energien festgelegt und gleichzeitig den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Zudem hat sich der Bundesrat in der Zwischenzeit zusätzlich auch zum Klimaschutzziel Netto-Null bis 2050 bekannt. Das wird zu einer steigenden Nachfrage nach CO2-neutralem Strom führen. Will die Schweiz nicht in eine allzu grosse Abhängigkeit vom Ausland geraten, muss sie sowohl den Erhalt wie auch den Zubau von inländischen Kraftwerken über 2023 hinaus fördern. Der Bundesrat wollte eigentlich eine Lenkungsabgabe einführen, wurde aber vom Parlament gestoppt. Nun will er das bestehende Instrument der Investitionsbeiträge auf alle Technologien ausdehnen. Heute kennen wir solche Investitionsbeiträge bereits bei Wasserkraftprojekten und als Einmalvergütung bei kleinen Solaranlagen.

CKW spricht sich in ihrer Stellungnahme zum revidierten Energiegesetz auf Bundesebene gegen das Konzept der Investitionsbeiträge aus. Warum? 

Michael Beer, CKW-Regulierungsexperte
Pro eingesetztem Förderfranken wird mehr erneuerbarer Strom zugebaut.
Michael Beer, CKW-Regulierungsexperte

Wir sehen, dass sich das Instrument der Investitionsbeiträge nur bei kleinen Anlagen bewährt hat. Bei grossen Anlagen hat es zahlreiche Nachteile. Ein Hauptproblem ist, dass sich der Investor damit zwar einen Teil der Baukosten – immerhin bis zu 60 Prozent – vom Staat bezahlen lassen kann. Gleichzeitig bleibt er aber dem Marktpreisrisiko ausgesetzt und preist dieses in seine Investitionsrechnung ein. Der Staat beziehungsweise der Endverbraucher zahlt dadurch mehr und kriegt weniger Strom pro eingesetztem Förderfranken. Ausserdem kassiert allein der Investor, wenn die Marktpreise in der Zukunft wider Erwarten höher sind, als ursprünglich angenommen. 


Die meisten umliegenden Länder sind deshalb zum System der auktionierten gleitenden Marktprämie übergangen. Das schlagen wir auch für die Schweiz vor.  

Worin liegen die Vorteile dieses Systems? 

Es ist ausgewogener. Denn bei der gleitenden Marktprämie zahlt der Investor die vollen Baukosten selber. Geld vom Staat fliesst nur dann, wenn der Marktpreis unter eine bestimmte Schwelle fällt. Die gleitende Marktprämie ist also eine Versicherung gegen tiefe Preise am Markt. Die Höhe dieser Schwelle wird in einer Auktion ermittelt. Die tiefsten Angebote gewinnen. Der Investor hat so ein Interesse, möglichst knapp zu kalkulieren, weil er sonst den Zuschlag nicht erhält. Pro eingesetztem Förderfranken wird mehr erneuerbarer Strom zugebaut. 

Zudem bietet dieses System die Möglichkeit, dass man Produktion im Winter – die die Schweiz im Zuge des Ausstiegs aus der Kernenergie dringend braucht – besonders fördern kann. Wir haben dazu ein besonderes Schweizer Modell der auktionierten gleitenden Marktprämie konzipiert.  

 

Wie würde das funktionieren? 

Indem man die genannte Preisschwelle im Winter um einen gewissen Faktor höher ansetzt als im Sommer. So schafft man einen Anreiz, gezielt in Anlagen zu investieren, die besonders viel im Winter produzieren. Mit Investitionsbeiträgen ist das nicht so direkt möglich.  

 

Die Schweiz muss in den kommenden 25 Jahren den gesamten Strom aus der Kernenergie ersetzen. Wird dies mit diesen Instrumenten funktionieren? 

Niemand weiss, wie der Strommarkt in 25 Jahren aussehen wird. Dabei spielt auch die Entwicklung in unseren Nachbarländern eine entscheidende Rolle. Gleichzeitig haben Investitionen in Kraftwerke einen Horizont von bis zu 80 Jahren. Das ist eine schwierige Ausgangslage. Deshalb sind gute Rahmenbedingungen wichtig. Förderinstrumente, wie sie jetzt im Energiegesetz festgelegt werden, sind ein Baustein davon. Ob sie ausreichen werden, lässt sich heute noch nicht sagen. Zentral ist sicher auch eine nicht allzu hohe Abgabenlast (Stichwort Wasserzinse) sowie eine gute Einbindung in Europa. Dazu gehört auch die vollständige Strommarktöffnung. 

 

Wie geht es nun weiter?

Die Vernehmlassung endete in den Sommerferien. Aktuell erarbeitet der Bund die Botschaft ans Parlament. Dieses wird voraussichtlich ab Frühjahr 2021 mit der Beratung des revidierten Energiegesetzes beginnen. 

Hier finden Sie die detaillierte Stellungnahme von CKW zur Revision des Energiegesetzes (Fördermassnahmen ab 2023) auf Bundesebene. 

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