Versorgungssicherheit: «Nicht ohne meine Drohne»

Drohneneinsatz: Versorgungssicherheit dank Netzkontrolle aus der Luft

Zuwachs im Team der CKW-Netzelektriker: Die Neue passt in eine Schuhschachtel, hat vier Propeller und unterstützt die Profis bei der Stromnetzkontrolle – aus der Luft. Wir waren beim Drohneneinsatz in Hitzkirch dabei. 

Text: Luk von Bergen | Fotos: Philipp Schmidli

 

«Eigentlich ist das Wetter heute nicht optimal», sagt Netzelektriker Martin Annen. Es ist ein wolkenverhangener, eher düsterer Dienstagmorgen im Juli. «Um unsere Arbeit zu erledigen, ist es besser, wenn es heller ist.» Annen hat heute den Auftrag, die Stromleitungen vom Unterwerk Hitzkirch zur Unterstation Hochdorf zu kontrollieren. In der Unterstation wird der Strom von Hochspannung auf Mittelspannung transformiert, bevor er ins regionale Verteilnetz gelangt, das die Gemeinden des Seetals mit Strom versorgt. «Es geht um die Versorgungssicherheit. Sämtliche Leitungen im ganzen CKW-Versorgungsgebiet müssen alle zwei Jahre abgelaufen und überprüft werden – das ist Vorschrift.» Denn es kann sein, dass die Leitungen oder die Masten mit den Isolatoren beschädigt wurden, sei es witterungsbedingt oder durch Äste von Bäumen. Um einen Defekt genauer zu lokalisieren und zu analysieren, lässt Martin Annen seit Anfang Jahr die Drohne steigen.

Leitung um Leitung, Mast um Mast


Martin Annens Job erfordert einiges an Ausdauer und Konzentration. «Beim Überprüfen der Netze legen wir zu Fuss schon einige Kilometer zurück.» Kein Problem für den Schwyzer, der auch seine Freizeit in der Natur und mit sportlichen Aktivitäten wie Biken oder Boarden verbringt. Die Leitungen kontrolliert Annen mit dem Feldstecher, die Masten mit der Drohne. «Dank der Drohnenbilder und der Zoom-Funktion können wir viel genauer feststellen, ob die Isolatoren, an denen die Stromleiterseile befestigt sind, defekt sind oder nicht.» Eine wichtige Aufgabe: «Wenn eine Leitung herunterhängt, kann das zu Versorgungsausfällen führen oder gefährlich sein für Mensch und Natur.» Also protokolliert Annen Auffälligkeiten an Leitungen und Masten, macht mit der Drohne Luftaufnahmen davon und übergibt die Daten an den zuständigen Projektleiter. «Dieser wertet die Informationen aus und plant dann wiederum unseren Einsatz, bei dem wir mit Gstältli und Sicherungsseil defekte Netzstellen reparieren.»

Guten Flug: Das sind die wichtigsten Drohnenregeln

Ein Drohneneinsatz darf weder Mensch noch Tier gefährden. Das Überfliegen von Menschenansammlungen beispielsweise ist deshalb verboten. Sämtliche Informationen und Drohnenregeln finden Sie auf der Website des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL). Das Wichtigste in Kürze:

 

Sichtkontakt: Ein Drohnenpilot muss seine Drohne jederzeit im Blick haben und darf nur auf Sicht fliegen.

Privatsphäre: Drohnenaufnahmen von Menschen, seien es Fotos oder Filmsequenzen, sind nur mit deren Einverständnis erlaubt.

Flugverbotszone: Im Umkreis von 5 Kilometern rund um Flughäfen und Flugplätze gilt für Drohnen ein Flugverbot.

Bewilligungen: Ist eine Drohne schwerer als 30 Kilogramm, ist sie bewilligungspflichtig.

Mehr Versorgungssicherheit dank Drohne

 

Die CKW-Netzelektriker arbeiten seit Anfang Jahr mit der Drohne. Annen und die anderen Mannen des Teams haben sich rasch ans neue Arbeitsgerät gewöhnt. «Die Inbetriebnahme ist relativ einfach. Rotoren ausklappen, Akku einsetzen, anstellen, kurz warten, und schon geht’s los.» Ein voller Akku reicht für einen etwa zwanzigminütigen Kontrollflug. Die Fernbedienung besteht im Wesentlichen aus zwei Steuerungshebeln und einem grossen Bildschirm, auf dem Annen die Kamerabilder der Drohne empfängt. «Die Masten sind teilweise über dreissig Meter hoch. Dank der Kamera verschaffen wir uns ein viel genaueres Bild der Situation.» Unterdessen steht ein interessierter «Gast» neben Martin Annen. Es ist Alfred Lüpold, der seinen Bauernhof gleich unterhalb des Unterwerks Hitzkirch hat. «E verreckti Sach», kommentiert Bauer Lüpold, als ihm der Drohnenpilot sein Gerät zeigt.

Erfahrungen sammeln und dazulernen


Die «Luftwaffe» von CKW besteht vorerst aus einer Drohne. «Für uns geht es nun darum, erste Erfahrungen zu machen», sagt Martin Annen. Die Netzelektriker sammeln also Flugkilometer, nächstens folgt zudem eine weitere Drohnenschulung. Denn eines steht schon jetzt fest: Die fliegende «Arbeitskollegin» liefert gestochen scharfe Situationsanalysen und ermöglicht so eine präzisere Einsatzplanung, was Dauer, Material und letztlich die Kosten betrifft. «Ein absoluter Mehrwert», fasst Annen die ersten Arbeitsmonate mit Drohne zusammen. Dass solche Geräte dereinst die ganzen Kontrollarbeiten automatisiert erledigen werden, glaubt Annen aber nicht. «Das Menschenauge ersetzt noch keine Technik. Von daher denke ich, dass die Netzkontrollen noch lange vor Ort und zu Fuss stattfinden.»

«Wir fliegen wohl ab nächstem Sommer»
 

Schon bald werden Drohnen bei CKW weitere Aufgaben übernehmen. Martin Rölli, Leiter Öffentliche Beleuchtung, erklärt, wie man Drohnen künftig bei der Kontrolle von Sportplatzbeleuchtungen einsetzen will.

 

Herr Rölli, der Schweizerische Fussballverband will, dass Sportplatzbeleuchtungen regelmässig kontrolliert werden. Warum ist das nötig?
Verschmutzte Scheinwerfer, dumpfe Reflektoren, Lichtstromrückgang bei den Leuchtmitteln: Es gibt viele Gründe, weshalb eine Sportplatzbeleuchtung über die Jahre an Qualität einbüsst. Durch die Überprüfung des Beleuchtungszustands will der Fussballverband sicherstellen, dass bei den Clubs optimale Lichtbedingungen für die Trainings und den Spielbetrieb herrschen. Es geht dabei beispielsweise um Kriterien wie Gleichmässigkeit und Stärke der Beleuchtung. Diese Kontrollen sollen alle fünf Jahre stattfinden.
 

Wo genau sehen Sie hier das Potenzial für Drohneneinsätze?
Vorgegeben sind 77 Messpunkte, um die Beleuchtungsstärke zu prüfen – dies jeweils einen Meter über Boden. Bisher haben wir solche Checks vor Ort mit Beleuchtungsstärkemessgerät und Messbändern gemacht. Eine Drohne loszuschicken, die sämtliche Messpunkte automatisiert abfliegt und die nötigen Daten erfasst und übermittelt, wäre daher eine spannende Lösung.

 

Weshalb klappt es noch nicht?
Bisher haben sich an der Hochschule Luzern bereits zwei Studenten im Rahmen von Projekt- und Bachelorarbeiten mit dem Thema befasst. Die Lösung, die uns vorschwebt, konnte im Rahmen der Bachelorarbeit umgesetzt werden. Allerdings geht es derzeit noch darum, die Drohne, mit einer einfachen und benutzerfreundlichen Software auszustatten. Ich gehe aber davon aus, dass die Drohne ab nächstem Sommer zum Einsatz kommen wird.

 

Was halten Sie grundsätzlich von Drohnen als Arbeitsinstrumente?
Der Sportplatz eignet sich nicht zuletzt deshalb perfekt für Drohneneinsätze, weil wir mit der Drohne die Messungen mit nur einem statt zwei Mitarbeitern und in der Hälfte der bisher benötigten Zeit durchführen können. Im Bereich der öffentlichen Beleuchtung sehe ich momentan keine weiteren Tätigkeitsfelder. Aber wer weiss, vielleicht sind Drohnen irgendwann in der Lage, Strassenlampen zu reparieren oder deren Leuchtmittel auszuwechseln.

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