See-Energie aus den Tiefen des Wassers

Der Vierwaldstättersee liefert umweltfreundliche Wärme und Kälte

In Horw und Kriens versorgt ewl energie wasser luzern bald 6’800 Haushalte klimaschonend mit umweltfreundlicher Wärme und Kälte vom Vierwaldstättersee. Für die Gebäudeautomation in der See-Energie Zentrale sorgt CKW.

Text: Simon Eberhard | Fotos: ewl

 

Zwölf Milliarden Kubikmeter – oder 66 Milliarden gefüllte Badewannen: Diese riesige Wassermenge fasst der Vierwaldstättersee. Und er birgt ein enormes Energiepotenzial. Denn in tieferen Lagen ist das Wasser deutlich wärmer: Selbst bei Lufttemperaturen im Minusbereich bewegen sich die Temperaturen konstant im Bereich von 5 Grad. Diesen Umstand macht sich die See-Energie zunutze. Das Prinzip: Mit einer Pumpe gelangt das aus einer Tiefe von 30 bis 40 Metern gewonnene Wasser in eine See-Energie Zentrale. Dort übertragen Wärmetauscher die Energie in ein separates Leitungsnetz. Das Seewasser fliesst danach zurück in den See, während das Leitungsnetz einen Wärmeverbund mit der gewonnenen Energie versorgt.

Grafische Darstellung der See-Energie Zentrale und der Wärme- und Kälteleitungen.

Das Funktionsprinzip der See-Energie: Das aus 30 bis 40 Metern Tiefe gewonnene, ungefähr 5 Grad warme Wasser wird in die Zentrale geführt (blau). Wärmetauscher übertragen die Wärme in ein separates Leitungsnetz, während das Seewasser zurück in den See gelangt.

Bis zu 10’000 Tonnen CO2-Sparpotenzial

Für das Seewasser ist dieser Prozess ökologisch unbedenklich. Es kommt während des Kreislaufs nie mit dem Wasser im Leitungsnetz in Berührung. Kein Wunder also, dass die Schweizer Seen seit einigen Jahren vermehrt als Energiequellen genutzt werden. Das grösste Projekt setzt derzeit ewl im Horwer Seebecken um.

«Mit der neuen See-Energie Zentrale Seefeld konnten wir ein gewaltiges Energiepotenzial für Horw und Kriens erschliessen», sagt Rolf Samer, Geschäftsleitungsmitglied von ewl. Rund 10’000 Tonnen CO2 spart der Energieversorger so ein. Da die Energie lokal produziert und genutzt werde, entfielen zudem lange Transportwege. So bleibe die Wertschöpfung in der Region. «Wir können damit nicht nur umweltschonende Energie fördern, sondern auch die regionale Ökonomie stärken.»

See-Energie liefert Wärme und Kälte

Für den Bau der unterirdischen Leitungen zur Zentrale waren spezielle Bohrungen nötig. «Der Boden im Horwer Seebecken brachte beim Leitungsbau einige Herausforderungen mit sich», blickt Samer zurück. «Trotz allem konnten wir die See-Energie Zentrale Ende 2020 in Betrieb nehmen.» 6’800 Haushalte werden von umweltfreundlicher Energie zu marktfähigen Preisen profitieren. Sie können die Energie dabei nicht nur zum Heizen nutzen, sondern auch zum Kühlen.

Das Projekt im Horwer Seebecken ist übrigens nicht das einzige in der Region: Auch im Zentrum von Luzern ist eine See-Energie Zentrale in Betrieb. In den nächsten Jahren baut ewl das Versorgungsnetz in Luzern Zentrum und um das Luzerner Seebecken weiter aus, sodass dereinst bis zu 3’700 Haushalte ihre Wärme und Kälte vom Vierwaldstättersee beziehen können.

Die Rolle der Gebäudeautomation: CKW-Spezialist Lukas Renggli gibt Auskunft

Herr Renggli, welche Rolle spielt die Gebäudeautomation beim Projekt in Horw?

Eine sehr zentrale: Die Gebäudeautomation widerspiegelt das Hirn der Anlage und vereint sozusagen die Intelligenz aller Prozesse. Konkret regelt sie das Zusammenspiel der Systeme, insbesondere die Kommunikation zwischen unseren Kontrollsystemen und der Leitebene von ewl. Sie erfasst über 1’000 Datenpunkte und leitet diese zur Aufzeichnung weiter. Hierfür haben wir eine Schnittstelle implementiert, die von uns zuvor noch nie realisiert wurde.

 

Inwiefern trägt die Gebäudeautomation dazu bei, die Energie zu optimieren?

Gerade bei Industriebetrieben oder Unternehmen kann man sehr viel Energie einsparen. So zahlt sich die Investition in die Gebäudeautomation sehr schnell aus. Bei der Anlage in Horw können wir mit unserer intelligenten Anlage Daten erfassen und den Energieverbrauch in Zukunft mit Analysen optimieren.

Porträtaufnahme von Lukas Renggli.

Lukas Renggli ist Automationsspezialist bei CKW.

 

Wie erfolgt diese Optimierung?

Zuerst erfasst das System alle Daten, wie zum Beispiel physikalische Grössen, Energieverbräuche und weitere Einflüsse. Mit den gesammelten Daten kann man die Anlage auf die Anforderungen des Kunden abstimmen. Ausserdem kann man die Abläufe so programmieren, dass eine Optimierung erfolgt.

 

Was sind Ihre persönlichen Erkenntnisse aus Horw?

Es ist ein spannendes Generationenprojekt. Beeindruckt haben mich insbesondere das Zusammenspiel aller Systeme im Energienetz und die Dimensionen der Komponenten. Für ein so grosses Projekt setzt eine gute Projektleitung den Grundbaustein für einen erfolgreichen Abschluss. Ich bin stolz darauf, dass wir mit unserem Gebäudeautomations-System einen Beitrag leisten können, das grösste See-Energie-Projekt der Schweiz intelligent zu steuern. Gleichzeitig hoffe ich, dass dieses für die eine oder andere Gemeinde in der Schweiz eine Vorbildfunktion übernehmen kann.

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