Warum steigen die Strompreise?

«Was im Ausland passiert, hat automatisch Auswirkungen auf die Strompreise in der Schweiz»

Thomas Reithofer, Leiter Geschäftsbereich Energie und Mitglied der Geschäftsleitung von CKW, erklärt die Entwicklung der internationalen Energiepreise und ihre Auswirkungen auf die Strompreise in der Schweiz.

Text: Simon Schärer | Bilder: CKW | Erschienen: August 2022 

Thomas Reithofer, Sie sind seit über 15 Jahren in der Energiebranche tätig. Haben Sie eine solche Situation schon einmal erlebt? 

Nein. Was aktuell passiert, ist einzigartig. Die Strompreise am Markt haben sich verzehnfacht. Zudem sind die Schwankungen extrem. Es gab im März Tage, da kostete eine Kilowattstunde Strom fast 60 Rappen. Zum Vergleich: Während der ersten Coronawelle im Frühling 2020 sackten die Preise auf unter 2 Rappen je kWh ab. Derzeit sind sogar die Jahrespreise auf über 60 Rappen je kWh gestiegen. 

 

Wieso kommt es zu diesen Schwankungen? 

Dafür ist eine Kombination aus verschiedenen globalen Faktoren verantwortlich. Der Winter 2020/21 war in Europa sehr kalt und gleichzeitig gab es wenig Wind und somit auch wenig Strom aus Windkraft. Das führte dazu, dass viel Gas verbraucht wurde, um zu heizen und Strom zu produzieren. Dadurch wurden die Gasspeicher in Europa im letzten Jahr unterdurchschnittlich gefüllt. Gleichzeitig erholte sich Asien überraschend schnell von den Auswirkungen der Coronapandemie. Dies liess die Nachfrage nach Rohstoffen und Energie stark ansteigen. Parallel dazu verzeichnete Frankreich seit letztem Herbst viele Ausfälle bei den Kernkraftwerken. Diese Faktoren liessen die Preise bereits in der zweiten Jahreshälfte 2021 stark ansteigen. Der Krieg in der Ukraine beschleunigte diese Entwicklung dann nochmals stark.  

 

Das sind alles Ereignisse im Ausland. Wieso hat dies einen Effekt auf die Strompreise in der Schweiz? Unser Land produziert ja beispielsweise keinen Strom aus Gas.

Die Energiemärkte sind sehr globale Märkte. Was im Ausland passiert, hat automatisch Auswirkungen auf die Schweiz. Unser Strompreis entwickelt sich praktisch parallel zu den Preisen in Deutschland und Frankreich. Und dort sind es oft Gaskraftwerke, die am Schluss noch in Betrieb genommen werden, um die Stromnachfrage zu decken. Dieses «letzte» Kraftwerk bestimmt dann den Preis im Markt. Dies führt dazu, dass der Gaspreis einen Einfluss auf unseren Strompreis hat, obwohl wir keinen Strom aus Gas erzeugen. Das hat auch Auswirkungen auf die Tarife für unsere Kundinnen und Kunden in der Grundversorgung.  

 

Dies führt dazu, dass der Gaspreis einen Einfluss auf unseren Strompreis hat, obwohl wir keinen Strom aus Gas erzeugen.
Thomas Reithofer, Leiter Geschäftsbereich Energie und Mitglied der Geschäftsleitung, CKW
Thomas Reithofer, Leiter Geschäftsbereich Energie und Mitglied der Geschäftsleitung, CKW

 

Geht diese Entwicklung in den kommenden Jahren so weiter? 

Angesichts der grossen Unsicherheiten sind Prognosen aktuell sehr schwierig. Strom wird mehrere Jahre im Voraus gehandelt. Das heisst, wir können jetzt beispielsweise Strom fürs Jahr 2024 oder 2025 kaufen und verkaufen. Dabei sehen wir, dass die bezahlten Preise grundsätzlich etwas tiefer sind als aktuell, aber insgesamt hoch bleiben. Für Stromverbraucher werden die Strompreise in den kommenden Jahren massiv teurer im Vergleich zu den Vorjahren. 

 

Ein grosses Thema ist aktuell eine mögliche Strommangellage. Wie realistisch ist eine solche? 

Es ist nicht möglich, dies genau zu beziffern. Sollten zusätzlich zur aktuell lückenhaften Gasversorgung in Europa und zu den grossen Ausfällen im französischen Kraftwerkspark weitere Produktionskapazitäten ausfallen und ein langer, kalter und trüber oder windstiller Winter hinzukommen, kann die Lage in Europa und auch in der Schweiz hinsichtlich der Versorgung mit elektrischem Strom kritisch werden. Ich erachte das Szenario einer Strommangellage daher als realistisch. Nicht über Monate aber Tage bis Wochen könnte sie anhalten. Auf solche Situation bereiten sich Bund, Kantone und Stromversorger aktuell vor. Und auch die Grossverbraucher wurden dazu aufgerufen, sich ihre Gedanken zu Sparmassnahmen in ihren Betrieben zu machen. 

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