Sprunghafte Erlebnisse auf dem Jumptrail

Auf der Marbachegg entsteht ein neuer Jumptrail für Bikerinnen und Biker

Die Marbachegg entwickelt sich zum Bike-Mekka: Ab diesem Sommer werden Bikerinnen und Biker die Wahl haben zwischen dem abwechslungsreichen Clientis-Flowtrail und dem neuen spektakulären CKW-Jumptrail.

Text: Simon Eberhard | Fotos: Philipp Schmidli

 

Wenn sich Beat Feuz im Januar auf der Wengener Lauberhornpiste den Hundschopf herunterstürzt, schaut die halbe Schweiz am Fernsehen zu. Nicht minder waghalsig sind die Teilnehmer des Red Bull Rampage, eines Freeride-Wettbewerbs im Nationalpark von Utah. Der einzige Schweizer, der bisher an diesen Einladungs-Wettkämpfen teilgenommen hat, ist Ramon Hunziker: Viermal wagte der heute 36-Jährige den spektakulären Sprung am Canyon.

Die Zeiten als aktiver Wettkämpfer sind inzwischen Vergangenheit – doch ein Vollblut-Biker ist Hunziker geblieben. Heute baut der Geschäftsführer der Flying Metal GmbH die Pisten selber. Als Bauleiter des neuen CKW-Jumptrails auf der Marbachegg sorgt er dafür, dass Downhill-Bikerinnen und -Biker künftig auch im Entlebuch einen Hauch von Red Bull Rampage erleben. Mit dem Bau betritt er Neuland. «Wir bauen den ersten Trail in der Schweiz, der fast ausschliesslich aus Sprüngen besteht.»

Auf der Suche nach der perfekten Linie

Durch die häufig regennassen Bedingungen im Mai gestaltet sich der Bau des neuen Trails nicht immer einfach. Doch Hunziker und sein Team lassen sich dadurch nicht die Laune verderben. Geduldig feilen sie an der perfekten Höhe und Weite der Sprünge – dabei ist es natürlich unerlässlich, dass sie diese schon während des Baus selbst mit ihrem Bike testen. «Wir haben oben begonnen und testen Sprung für Sprung», erzählt Hunziker. «Am Schluss muss die Linie stimmen.»

Dass der Bau eines solchen Trails einen Eingriff in die Natur bedeutet, dessen ist sich Hunziker bewusst. Umso wichtiger ist eine gute Planung, um diese Beeinträchtigungen so klein wie möglich zu halten. «Damit das Wasser versickern oder herausfliessen kann, erstellen wir ein Entwässerungssystem», erklärt Hunziker. Letztendlich sind die Eingriffe in die Natur laut Hunziker überschaubar.

Ein Mann posiert mit einem Rechen auf einem Waldweg.

Früher Profibiker, jetzt Pistenbauer: Ramon Hunziker an der Arbeit auf dem Biketrail.

Natur und Landwirtschaft schonen 

Dank der breiten Auswahl an Trails in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden müssen die Bikerinnen und Biker nicht auf andere Wege ausweichen oder gar auf weglosem Terrain fahren. Auf diese Weise trägt der Ausbau der Infrastruktur an Biketrails auf der Marbachegg dazu bei, die Pflanzen- und Tierwelt wie auch die Landwirtschaft in der Umgebung zu schonen. Und auch mit den Wanderinnen und Wanderern kommen sich die Bikerinnen und Biker so weniger in die Quere.

Kleines Biketrail-Abc

Biketrail ist nicht gleich Biketrail. Die Mountainbike-Wege beinhalten verschiedene Topografien und Ausbaustandards. Die wichtigsten:

  • Singletrail: ein schmaler, meist naturbelassener Weg, der häufig Wurzeln und Steine aufweist. Geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene.
  • Flowtrail: ein gut ausgebauter Weg mit wenig Wurzeln und Steinen, der Wellen, Kurven und Sprünge aufweist, wie beispielsweise der bereits vorhandene Trail auf der Marbachegg. Geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene.
  • Jumptrail: ein ausgebauter Weg, der vorwiegend aus Sprüngen besteht. Der neue Trail auf der Marbachegg wird der erste reine Jumptrail der Schweiz sein. Geeignet für Fortgeschrittene.

Boomsport Biken 

«Die Lokalität ist ein entscheidender Faktor für einen guten Biketrail», sagt Ramon Hunziker. Auf der Marbachegg hat er einen idealen Ort gefunden, um seine Vision umzusetzen: Zu verdanken ist dies der bereits vorhandenen Infrastruktur mit Restaurant und Bergbahn und auch dem motivierten Bahnpersonal, das den Bikern gegenüber sehr positiv gestimmt ist. Das ist laut Hunziker keine Selbstverständlichkeit. «An manchen Orten muss ich mich beinahe für meine Anwesenheit entschuldigen, wenn ich mit dem Bike unterwegs bin.»

Dabei erfreut sich der Bikesport einer wachsenden Beliebtheit in der Bevölkerung. Kein Wunder: «Es ist ein einfacher Sport, den man überall ausüben kann, ohne einem Verein beitreten zu müssen», so Ramon Hunziker. Gerade auch deshalb hat der Sport seit Beginn der Corona-Pandemie nochmals an Popularität gewonnen. Während ein Grossteil der Freizeitaktivitäten nicht mehr möglich war, konnten sich die Schweizerinnen und Schweizer immer auf den Bikesattel schwingen und die Umgebung unsicher machen. «Auch verschiedene Freunde von mir haben sich während der Pandemie ein Bike gekauft und sich das erste Mal an einen Trail gewagt», bestätigt Hunziker den Boom. 

Aussicht auf eine Hügellandschaft im Entlebuch.

Prächtige Ausblicke vom Trail: Die Marbachegg bietet nicht nur Bike-Abenteuer, sondern auch tolle Naturerlebnisse.

Das Lauberhorn des Bikens? 

Was fasziniert Hunziker selbst am meisten am Biken? «Ich liebe die Vielseitigkeit dieses Sports», beantwortet er die Frage. «Mit einem Bike ist alles möglich: Ich kann in den Wald gehen, hinauf- und herunterfahren auf den verschiedensten Wegen, abenteuerliche Sprünge wagen oder sogar einen Stadtparcours absolvieren.» Doch am meisten fasziniert den Pistenbauer und Ex-Wettkämpfer – wen wundert’s – das Springen. «In der Luft zu sein, ist ein unbeschreibliches Gefühl und für mich das Schönste am Biken.» Mit dem neuen CKW-Jumptrail hofft er, diese Faszination auch Schweizer Bikerinnen und Bikern näherzubringen. Und wer weiss, vielleicht etabliert sich auch dank seinem Einsatz die Marbachegg dereinst als das «Lauberhorn des Bikens».

Bagger arbeitet auf einem Waldweg in abschüssigem Gelände.

Damit jede Kurve und jeder Sprung sitzt, arbeiten Ramon Hunziker und sein Team auch mit dem Bagger.

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