Blackout in der Zentralschweiz: So übt CKW den Ernstfall
28. Juli 2025|Lesezeit: 5 min
Die Zentralschweiz ohne Strom? Ein mögliches Szenario. Den Umgang damit übt die Netzleitstelle von CKW regelmässig im Simulator von Swissgrid. Urs Nietlispach, Leiter Netzbetrieb bei CKW, gibt einen Einblick in eine Netzwiederaufbau-Übung.
17.30 Uhr, ein gewöhnlicher Donnerstag in der Zentralschweiz. In Tausenden von Haushalten kochen Familien ihr Abendessen. Induktionsherde erwärmen sich, Backöfen laufen, Netflix-Serien flimmern über den TV im Hintergrund.
Gleichzeitig fahren Pendler mit Zügen und Bussen nach Hause, während in Spitälern lebenserhaltende Geräte arbeiten und sich Einkaufscenter auf den Abendverkauf vorbereiten.
Dann, ohne Vorwarnung: Dunkelheit. Ein grossflächiger Stromausfall hat die gesamte Zentralschweiz erfasst. Innerhalb von Sekunden erlischt das Licht in über 300'000 Haushalten.
Routine und kühler Kopf: Was die Netzleitstelle auszeichnet
Was wie ein Szenario aus einem Film klingt, ist ein Ereignis, auf das sich die Netzleitstelle von CKW regelmässig vorbereitet. Im Verbund mit der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid und den Zentralschweizer Partnerwerken übt CKW den eher unwahrscheinlichen, aber möglichen Ernstfall – Jahr für Jahr.
«Ein Blackout tritt unvorhergesehen und plötzlich ein und hat nichts mit einer Energiemangellage zu tun, wie sie 2022/23 hätte eintreffen können», erklärt Urs Nietlispach, Leiter Netzbetrieb bei CKW. Während eine Strommangellage sich über Wochen ankündigt, kommt ein Blackout ohne Vorwarnung. Laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz gehört ein grossflächiger Stromausfall zu den zehn grössten Risiken für die Schweiz.
«Routine ist für die Mitarbeitenden auf der Netzleitstelle deshalb zentral», betont Urs Nietlispach. «Daneben braucht es eine hohe Belastbarkeit und die Fähigkeit, unter Stress einen kühlen Kopf und den Überblick zu bewahren.»
Enge Zusammenarbeit zwischen CKW, Swissgrid und Partnerwerken
Wie läuft der Netzwiederaufbau nach einem Blackout ab? Urs Nietlispach nimmt uns mit auf einen Rundgang hinter den Kulissen.
Nachdem die Lichter in der Zentralschweiz ausgegangen sind, beginnt im Simulator ein präzise choreografierter Prozess. Swissgrid ruft den Störungsfall aus und startet das Szenario Netzwiederaufbau. CKW übernimmt dabei die zentrale Rolle als Störungsmanagerin für die Zentralschweiz und koordiniert die Zusammenarbeit zwischen Swissgrid und den regionalen Verteilnetzbetreibern EWS, EBS, EWO, EWA, EWN, EWL und WWZ.
Schritt für Schritt: So funktioniert der Netzwiederaufbau
«Wir bauen das Netz Schritt für Schritt auf, indem wir Stromerzeuger und Stromverbraucher im Gleichgewicht ans Netz schalten», erläutert Urs Nietlispach. Dabei ist die Stabilität der Netzfrequenz entscheidend – ein heikler Prozess, bei dem das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch ständig überwacht werden muss.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien macht diesen Prozess anspruchsvoller. «Photovoltaikanlagen speisen dezentral und granular Strom ins Netz ein», erklärt Urs Nietlispach. «Das macht es schwieriger, vorherzusagen, an welchem Ort wie viel Einspeisung zu erwarten ist, wenn wir eine Region wieder ans Netz schalten.»
Gelingt es nicht, die Netzfrequenz stabil zu halten, droht die gesamte Stromversorgung erneut zusammenzubrechen. Der Netzwiederaufbau würde dann von vorne beginnen.
Übung erfolgreich: Zentralschweiz nach vier Stunden wieder am Netz
Nach vier Stunden intensiver Übung im Simulator von Swissgrid ist es geschafft: Die letzte Region geht wieder ans Netz. In den Haushalten springen Kühlschränke an, Heizungen laufen wieder, Handys können geladen werden. Das Leben kehrt zur Normalität zurück.
Welche Erkenntnisse hat Urs Nietlispach durch die Übung gewonnen? «Zwei Dinge. Zuerst und ganz banal: Pausen machen. Nach vier Stunden Übung raucht der Kopf, die Fehlerquote steigt. Essen, Trinken und Ablösungen sind wichtig, denn du weisst nicht, wie lange eine Störung dauern kann. Daneben sind eine präzise Kommunikation und ein klares Rollenverständnis unter den Partnerwerken zentral.»
Das Netz ist resilient – und CKW vorbereitet
Für die 185'000 Kundinnen und Kunden der CKW-Grundversorgung ist wichtig zu wissen: Grossflächige Stromausfälle sind in der Schweiz zwar denkbar, aber eher unwahrscheinlich. Unser Netz ist darauf ausgelegt, den plötzlichen Ausfall eines einzelnen Grosskraftwerks wie Beznau zu verkraften. Und weil CKW regelmässig im Verbund mit Swissgrid und den Partnerwerken trainiert, ist das Unternehmen auf den Ernstfall gut vorbereitet.