Stromnetz im Gleichgewicht: Die Kosten der Stabilität
27. August 2025|Lesezeit: 5 min
Die zunehmenden Schwankungen im Stromnetz durch den Ausbau der Solarenergie lassen die Kosten für Ausgleichsenergie stark steigen. Für 2026 rechnet CKW mit Ausgleichsenergiekosten in Höhe eines tiefen zweistelligen Millionenbetrags, die letztlich von allen Stromkundinnen und -kunden getragen werden.
Das Stromnetz ist wie ein grosses Orchester, bei dem alle Instrumente perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen. Wenn ein Instrument zu laut oder zu leise spielt, klingt die Musik nicht mehr harmonisch. Genauso müssen Stromproduktion und Verbrauch im Einklang sein, damit das Netz stabil bleibt. Ausgleichsenergie ist der Schlüssel dafür, diese Schwankungen zu managen und die Netzstabilität zu gewährleisten.
Stromproduktion und Stromverbrauch müssen übereinstimmen
Netzstabilität bedeutet, dass die Frequenz im Stromnetz konstant bei etwa 50 Hertz bleibt. Wenn zu viel Strom im Netz ist, steigt die Frequenz, und wenn zu wenig Strom da ist, sinkt sie. Beides kann zu Problemen führen, etwa zu Stromausfällen oder Schäden an Geräten.
Warum entstehen Ausgleichsenergiekosten?
Deshalb sind alle Lieferanten respektive ihre sogenannten Bilanzgruppen verpflichtet, ausreichend Strom einzukaufen oder zu produzieren, um den ihnen zugeordneten Verbrauch zu decken. Sie müssen ausgeglichen sein – und das jeweils auf die Stunde genau. Weisen sie Unausgeglichenheiten auf, beispielsweise wegen Prognoseungenauigkeiten oder kurzfristigen Ausfällen, springt die Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid ein und schliesst die Lücke durch sogenannte Regelenergie. Swissgrid ruft dann flexible Kraftwerke ab, deren Energie sie über Auktionen einkauft. Die mit den Abrufen entstandenen Kosten werden den unausgeglichenen Bilanzgruppen auferlegt («Ausgleichsenergiekosten»).
Herausforderung durch Solaranlagen
In der Vergangenheit war die Energieproduktion sehr gut steuerbar. Die Kernenergie und die Flusskraftwerke liefern Bandenergie, und mit der Speicherwasserkraft können ihre Betreiber die Stromproduktion regulieren und die Netzfrequenz stabilisieren.
Mit dem massiven Ausbau der Solarenergie wird die Netzstabilisierung deutlich anspruchsvoller. Wenn die Sonne scheint, gibt es viel Strom – bei Wolken weniger und bei Nebel gar keinen. Das macht es im Voraus schwer vorherzusagen, wie viel Strom um welche Uhrzeit tatsächlich ins Netz eingespeist wird.
Starke Produktionsschwankungen
Bereits kleine Abweichungen von Prognosen fallen inzwischen richtig stark ins Gewicht. Die installierte Leistung aller Solaranlagen in der Schweiz beträgt per Anfang 2025 über 8’000 Megawatt-Peak (MWp). Diese Anlagen haben das Potenzial, an einem einzigen Sommertag bis zu über 50’000 Megawattstunden (MWh) Strom zu erzeugen. Dies entspricht etwa dem täglichen Stromverbrauch von gegen vier Millionen Vierpersonenhaushalten. Eine aufkommende Gewitterfront kann diese Produktion aber innert kurzer Zeit zusammensacken lassen.
Situation im CKW-Versorgungsgebiet
Das CKW-Versorgungsgebiet ist nationaler Spitzenreiter bei der installierten Solarleistung pro Kopf. Die Goldmedaille hat aber auch eine Kehrseite: So wirken sich die Produktionsschwankungen der Solarstrom-Einspeisung ins CKW-Netz besonders stark aus.
Der Rettungsanker fürs Stromnetz
Hier kommt die Ausgleichsenergie ins Spiel. Sie ist wie ein Notfallplan, um das Gleichgewicht im Netz zu halten. Einfach gesagt: Wenn zu wenig Strom da ist, springt sofort ein Kraftwerk ein oder es wird Strom aus Speichern genutzt. Wenn zu viel Strom da ist, wird dieser entweder gespeichert oder die Produktion wird gedrosselt.
Ausgleichsenergie erfordert Flexiblität
Was einfach tönt, ist in der Realität hoch komplex – und kostspielig. Denn die Bereitstellung von Ausgleichsenergie erfordert Flexibilität. Kraftwerke, Notstromaggregate und Batteriespeicher müssen als Reserve bereitstehen und schnell hoch- oder runtergefahren werden können; innerhalb von bis zu vier Sekunden. Diese Flexibilität hat ihren Preis, da ihre Betreiber dafür bezahlt werden müssen, dass sie ihre Kapazitäten bereithalten – auch wenn diese zum Teil nur selten genutzt werden.
Steigende Kosten durch wachsende Nachfrage
Zusätzlich steigen die Kosten, wenn die Nachfrage nach Ausgleichsenergie aufgrund häufigerer Schwankungen zunimmt, wie es durch den Ausbau der Solarenergie der Fall ist. Denn im Strommarkt gilt das Prinzip der Merit-Order – mit der nachgefragten Menge steigen auch die Preise. Für 2026 hat CKW in ihren Tarifen einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag für die Kosten für Ausgleichsenergie berücksichtigt. Ohne Massnahmen steigen diese Kosten mit jeder neu installierten Solaranlage weiter.
Mit innovativen Lösungen die Kosten senken
Am Ende werden diese Kosten auf die Strombezüger umgelegt. Das bedeutet, jeder Haushalt und jedes Unternehmen in der Schweiz trägt durch die Stromrechnung einen Teil der Kosten für die Bereitstellung von Ausgleichsenergie. Je mehr Schwankungen im Netz auftreten und je teurer die Ausgleichsenergie wird, desto höher fallen diese Kosten aus.
CKW arbeitet an Lösungen, um diese Kosten nachhaltig zu senken. Dazu gehören beispielsweise verbesserte Datengrundlagen und Prognosen, die Integration von flexiblen Anlagen in den CKW Flexpool, Einspeiseoptimierung und intelligente Netzsteuerung, um Kosten zu senken und die Netzstabilität langfristig zu sichern. Der Ausbau erneuerbarer Energien bleibt essenziell, erfordert jedoch innovative Lösungen, um diese Herausforderungen zu meistern. Auch die Politik und die Solarproduzenten stehen in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten, um die Solarenergie besser ins Energiesystem zu integrieren.