Die Wand produziert mit: Strom von der Fassade im Fahrwerk Winterthur

2. Juli 2026|Lesezeit: 5 min

Im Neubau «Fahrwerk» in Winterthur wurde eine Solarfassade umgesetzt. Für CKW und ihre Partnerfirma aventron die erste in dieser Art, denn sie ist direkt in die Fassade integriert. Erfahren Sie mehr über dieses spannende Projekt.

Weiterdenken und kombinieren

Wer an eine Solaranlage denkt, denkt zuerst ans Dach. Beim Fahrwerk Winterthur allerdings dachte man weiter. Ergänzend zur PV-Anlage auf dem Dach entschied sich die Eigentümerschaft, auch die Fassade des Gewerbebaus zu nutzen. Das Ergebnis: eine Fassadenanlage mit 330 Modulen und einer Leistung von 125 kWp wurde mit der Dachanlage mit 308 kWp und 700 Solarmodule kombiniert. So entstand ein leistungsstarkes Kleinkraftwerk, das besonders auch in den Wintermonaten zuverlässigen Solarstrom liefert.

Realisiert wurde die Fassadenanlage durch aventron, ein auf erneuerbare Energien spezialisiertes Unternehmen, in Zusammenarbeit mit CKW. «Die Kombination aus Dach- und Fassadenanlage war für uns von Anfang an der entscheidende Schritt», erklärt Rui Pereira, Projektleiter bei aventron. «Eine Fassadenanlage allein wäre weniger effizient, aber zusammen mit der Dachanlage entsteht ein System, das wirklich ganzjährig performt.»

Der Wintervorteil: Warum die Fassade mehr kann als das Dach

Der grosse energetische Mehrwert einer Fassadenanlage liegt in ihrer Ausrichtung. Während Dachanlagen im Sommer ihre Höchstleistung erzielen, profitieren senkrecht montierte Fassadenmodule besonders von der tiefen Sonneneinstrahlung im Winter und in den Übergangsjahreszeiten. Die Sonne steht dann flacher und trifft die vertikale Fläche direkter. Genau dann, wenn der Strombedarf in Gewerbegebäuden besonders hoch ist.

Dieses Prinzip macht die Fassaden-PV zu einer idealen Ergänzung für Betriebe, die auf eine möglichst gleichmässige, ganzjährige Eigenversorgung setzen. Im Fahrwerk Winterthur bedeutet das:

  • Die Ertragskurve wird geglättet.
  • Spitzen werden ausgeglichen.
  • Der Eigenverbrauch wird optimiert.

Das ist ein enormer Vorteil für Mieterinnen und Mieter und für das gesamte Energiekonzept des Gebäudes.

«Die Fassade liefert uns im Winter Strom, wenn wir ihn am meisten brauchen und Dachanlagen am wenigsten produzieren»

Rui Pereira

Projektleiter bei aventron

Nicht alltägliche Planung und Umsetzung

Fassadenmodule sind nicht nur Energieerzeuger, sondern auch Gestaltungselement. Sie müssen statisch, bautechnisch und ästhetisch in die Gebäudehülle integriert werden. «Eine Fassaden-PV-Anlage ist kein Standardprodukt, das man schnell und einfach installieren kann», sagt Shaan Ghafoor, Projektleiter Solartechnik bei CKW. «Sie erfordert eine enge Abstimmung zwischen Architektur, Elektroplanung und dem Kunden und eine sorgfältige Planung

 

Das Resultat am Fahrwerk spricht für sich: Die Anlage fügt sich harmonisch in die Gebäudestruktur ein und wird so direkt zu einem Teil der Fassade. Dabei bleibt der industrielle Charakter des Gewerbeparks bestehen. Die Fassadenmodule verleihen dem Bau ein klares Statement für Nachhaltigkeit, Moderne und Zukunftsfähigkeit.

Shaan Ghafoor, Projektleiter Solartechnik bei CKW spricht über die Planung und Umsetzung des Projekts.
Shaan Ghafoor, Projektleiter Solartechnik bei CKW spricht über die Planung und Umsetzung des Projekts.

Dennoch gab es einige Herausforderungen bei der Umsetzung, die CKW und aventron gemeinsam lösen mussten:

  • Die örtlichen Gegebenheiten neben den Zuggeleisen mit den Hochspannungsleitungen haben nebst dem Bewilligungsprozess auch die Logistik erschwert.
     
  • Wegen der Blendwirkung der Module bestand die Gefahr, dass Lokführer in den vorbeifahrenden Zügen geblendet werden. Daher mussten spezielle blendarme Solarmodule installiert werden, die gleichzeitig den Brandschutzvorschriften gerecht werden mussten.
     
  • Die Farbe der Module sollte möglichst dunkel sein, damit sie ästhetisch zum Gebäudeäusseren passt.
     
  • Die Installation war auch für den Fassadenbauer keine einfache Aufgabe, da die Solarmodule passgenau auf die Unterkonstruktion nach der Dämmung montiert werden mussten. Für die Hinterlüftung war jedoch ein Abstand von rund 20 Zentimeter nötig, die zusätzlich eingeplant werden mussten.
     
  • Die korrekte Darstellung der Mehrkosten und Mehrerträge der Fassaden-Solaranlage gegenüber einer Fassade OHNE Photovoltaikanlage war komplex, jedoch eine Bedingung für den Investitionsentscheid der Eigentümerschaft.

Eigenverbrauch optimieren dank dem ZEV

Das Energiekonzept des Fahrwerks basiert auf einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV). Dieses Modell erlaubt es, den selbst produzierten Solarstrom direkt unter den Mieterinnen und Mietern des Gebäudes zu verteilen und zu verrechnen. Das ist für ein Gewerbezentrum ein entscheidender Hebel zur Kostensenkung und zu mehr Unabhängigkeit vom Stromnetz.

Ein Signal an die Branche

«Das Fahrwerk zeigt eindrücklich, dass ungenutzte Fassadenflächen ein echtes Energiepotenzial darstellen», Jayant Sethi, Projektleiter Solartechnik bei CKW.
«Das Fahrwerk zeigt eindrücklich, dass ungenutzte Fassadenflächen ein echtes Energiepotenzial darstellen», Jayant Sethi, Projektleiter Solartechnik bei CKW.

Für die Bauherrschaft ist das Fahrwerk Winterthur mehr als ein einzelnes Bauprojekt. Es ist ein Beweis, dass Fassaden-PV im gewerblichen Umfeld funktioniert, technisch, wirtschaftlich und gestalterisch. «Wir würden jederzeit wieder eine Fassadenanlage realisieren», sagt Rui Pereira. «Die Investition ist sinnvoll, der Betrieb unkompliziert, und der Effekt, sowohl energetisch als auch auf die Wahrnehmung des Gebäudes, ist beeindruckend. Ich kann es jedem Immobilieneigentümer empfehlen, der über diese Möglichkeiten in seiner Liegenschaft nachdenkt. Zu beachten ist allerdings, dass man Motivation und Durchhaltewillen hat, damit eine Realisierung zum gewünschten Erfolg führt».

Für CKW ist das Projekt ein weiteres Beispiel dafür, wie massgeschneiderte Energielösungen für Gewerbeimmobilien aussehen können. Es ist das erste in dieser Art, das so umgesetzt wurde. «Das Fahrwerk zeigt eindrücklich, dass ungenutzte Fassadenflächen ein echtes Energiepotenzial darstellen», so Jayant Sethi, Projektleiter Solartechnik bei CKW. «Mit der richtigen Planung und dem richtigen Partner lässt sich dieses Potenzial erschliessen. Damit tragen auch Fassaden-Solaranlagen aktiv zur Versorgungssicherheit in der Schweiz bei.»

«Die Zusammenarbeit mit CKW habe ich als sehr professionell, persönlich und angenehm erlebt. Die Mitarbeitenden waren offen für neue Entwicklungen, was auch zum Erfolg dieses Projektes beitrug.»

Rui Pereira über die Zusammenarbeit mit CKW.

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Broschüre Solaranlagen für Unternehmen

Tipps und Tricks für die Installation von Fassaden-Solaranlagen

Für eine erfolgreiche Umsetzung muss der Investor beziehungsweise die Eigentümerschaft mit den nötigen finanziellen Mitteln hinter einem solchen Projekt stehen.

Eine Fassaden-PV-Anlage muss von Beginn an ins Bauprojekt integriert werden. Wer sie nachträglich plant, riskiert Mehrkosten und bauliche Kompromisse. Ziehen Sie spezialisierte PV-Fachplanerinnen und -fachplaner früh ins Planerteam ein.

Ideale Fassaden sind nach Süden, Südosten oder Südwesten ausgerichtet und möglichst schattenfrei. Bereits kleine Verschattungen durch Nachbargebäude, Vorsprünge oder Bäume können die Produktion spürbar reduzieren.

Fassadenmodule und ihre Unterkonstruktion haben ein erhebliches Gewicht. Lassen Sie die Tragfähigkeit der Fassade frühzeitig von einer Fachperson beurteilen.

Die Module müssen mit genügend Abstand zur Wand montiert werden, damit Luft zirkulieren kann. Eine gute Hinterlüftung verhindert Überhitzung und steigert die Effizienz der Anlage.

Gerade bei Gewerbe- und Mehrgeschossbauten gelten strenge Brandschutzvorschriften. Klären Sie frühzeitig, welche Module und Materialien zugelassen sind. In gewissen Fällen sind spezielle, zertifizierte Fassadenmodule notwendig.

Je nach Lage und Umgebung können besondere Anforderungen entstehen, zum Beispiel blendarme Module bei Nähe zu Strassen, Bahnlinien oder Flugschneisen. Auch ästhetische Vorgaben von Gemeinden und Kantonen sollten frühzeitig abgeklärt werden.

In vielen Gemeinden sind Fassadenanlagen bewilligungspflichtig. Informieren Sie sich frühzeitig über die lokalen Vorschriften und planen Sie ausreichend Zeit für den Bewilligungsprozess ein.

In der Schweiz profitieren Fassadenanlagen von einem zusätzlichen Neigungswinkelbonus bei der Einmalvergütung (KLEIV). Für aufgesetzte Anlagen ab 75° Neigung sind bis zu 560 Franken pro kWp möglich, für integrierte Anlagen bis zu 800 Franken pro kWp.

Fassaden- und Dachanlagen ergänzen sich ideal: Die Dachanlage liefert im Sommer viel Strom, die Fassadenanlage gleicht das im Winter aus. Ein Batteriespeicher erhöht den Eigenverbrauchsanteil zusätzlich.

Fassaden-PV ist anspruchsvoller als eine Standard-Dachanlage. CKW begleitet Sie von der Machbarkeitsprüfung über die Planung und Installation bis zum laufenden Betrieb, alles aus einer Hand. CKW ist Mitglied bei Swissolar, dem Schweizerischen Branchenverband für Sonnenenergie. Zudem sind wir mit dem Qualitätslabel «Die Solarprofis» zertifiziert.

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