Neue Ladestation bezieht Strom für Elektroauto direkt aus Trolleybus-Oberleitung

CKW entwickelt besondere neue Ladestation

Die Busse der VBL brauchen Strom, Elektroautos ebenso – könnte man deren Stromversorgung nicht einfach verbinden? Das fragte sich CKW-Mitarbeiter Andelko Suker. Nach vielen Jahren Arbeit und mit der Unterstützung des BFE hat CKW nun eine neuartige Ladestation in Betrieb genommen.

Text: Tamara Tiefenauer | Foto: Matthias Jurt Fotografie | Erschien: Mai 2020

 

Andelko Suker steht an der Bushaltestelle am Bahnhof Luzern und wartet auf den Bus nach Emmen. Sein Blick schweift zur Oberleitung und plötzlich fragt er sich: Könnte man diese Leitung nicht auch für die Stromversorgung von Ladestationen für Elektroautos benutzen? Suker arbeitet bei CKW, er leitet dort die Abteilung Energy Trad. & Risk Management IT. Elektromobilität ist folglich nicht sein Steckenpferd. «Aber diese Frage liess mich nicht mehr los», sagt er.

Beteiligte erkannten Potenzial sofort

Zunächst tauschte sich Andelko Suker CKW-intern aus: Gibt es eine solche Installation schon? Könnte man das technisch überhaupt umsetzen? Es folgte eine Machbarkeitsstudie. «Ich arbeitete ganz normal weiter, dieses Projekt lief nebenbei. Das war teilweise schon anstrengend. Aber es ist natürlich auch sehr spannend, ein neues Produkt von Anfang an zu entwickeln.» 

Dann holte CKW die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) an Bord, die Eigentümerin der Oberleitungen. Suker: «Sie erkannten das Potenzial der Idee sofort und waren begeistert.» 

Auf der Suche nach einem passenden Standort fuhr das Projekt-Team das ganze VBL-Netz ab. Fünf Tankstellen und Hotels kamen in Frage. Am geeignetsten erschien Suker und seinen Kollegen die Avia-Tankstelle in Kriens. Diese waren von der Idee angetan und stellten eine Fläche zur Verfügung.  

Ladestation «made in» Kriens

Was noch fehlte: Jemand, der eine solche Ladestation bauen kann. Suker: «Zu Beginn waren wir mit einem polnischen Unternehmen im Austausch. Eine Zusammenarbeit kam aber nicht zustande. Schliesslich fanden wir mit dem Unternehmen EVTEC in Kriens jemanden, quasi vor unserer Haustüre.» Gleichzeitig reichte Suker sein Projekt beim Bundesamt für Energie (BFE) im Pilot- und Demonstrationsprogramm ein – erfolgreich. «Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass auch das BFE an unsere Idee glaubt.» 

Gewinner auf allen Seiten

In Kriens steht nun also nicht nur einfach eine weitere Ladestation, sondern eine Neuheit. Und eine, von der alle profitieren – Kunden genauso wie VBL, Avia und CKW: 

  • Wer keine Ladestation zuhause hat, kann sein Elektroauto nun trotzdem schnell und in der Nähe «tanken». Schnellladestationen findet man derzeit oft nur auf Autobahnen, die neue aber steht mitten in Kriens. 
  • Für den Betrieb der Busse ist eine hohe elektrische Leistung nötig. Das kommt den Elektroautos zugute: Die ersten hundert Kilometer sind in zehn Minuten geladen.  
  • Die nötigen Bauarbeiten waren minim, weil kaum Grabenarbeiten nötig waren. Die Leitung verläuft direkt von der Trolleybus-Oberleitung über einen Masten zur Ladestation. 
  • Schnellladestationen führen häufig zu sogenannten Leistungsspitzen. Diese beschreiben die maximale Netzbelastung und definieren damit jeweils den Leistungspreis für den gesamten Monat. Weil die Busse selbst schon solche Leistungsspitzen erzeugen, belastet das Laden der Elektroautos das VBL-Stromnetz nicht zusätzlich. 
  • Durch die Oberleitungen fliesst Strom aus erneuerbaren Quellen. Folglich beziehen E-Autobesitzer klimafreundliche Energie. 
  • Die VBL stellt die Oberleitung zur Verfügung, in die sie bereits investiert hat. CKW vergütet ihnen den bezogenen Strom und eine Marge. 
  • Avia profitiert davon, dass wohl einige der neuen Elektroauto-Kunden auch zu Shopkunden werden. 

Projekt soll Schule machen

Bis im September unterstützt und begleitet das BFE das Projekt. Die Berner Fachhochschule und CKW messen Daten, werten diese aus und prüfen, ob sich die Idee in der Praxis bewährt. Suker ist optimistisch: «Ich bin überzeugt, dass die Ladestation in Kriens nicht die einzige ihrer Art bleiben wird.» Er möchte gerne weitere installieren, nicht nur in Luzern, sondern in der ganzen Schweiz und vielleicht auch im angrenzenden Ausland. 

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