Unterirdisch E-LKWs laden: der Elektropower-Tunnel

19. Juni 2024|Lesezeit: 4 min

Unterirdisch eine E-Lastwagen-Flotte laden? Dass das möglich ist, beweist ein Unternehmen aus Altishofen. Gemeinsam mit CKW setzte Galliker Transport den ersten Elektro-Powertunnel um. Das Pionierprojekt ist ein wichtiger Schritt des Unternehmens auf dem Weg zur CO2-Neutralität.

Text: Nicole Meyer|Bilder: Philipp Schmidli 

Wir treffen Thomas Müller, Leiter Infrastrukturen Services, vor dem Firmengebäude der Galliker Transport AG in Altishofen. Er war eine Schlüsselfigur bei der Realisierung des Elektropower-Tunnels. Thomas Müller ist seit 12 Jahren im Unternehmen und kümmert sich mit seinem Team um den Ausbau der eigenen Stromproduktion und der Ladeinfrastrukturen der zukünftig CO2-neutralen Galliker-Fahrzeugflotte.

CO2-neutral unterwegs bis 2050 

Die Vision der Galliker Transport AG ist ambitioniert: Bis 2050 soll die gesamte Fahrzeugflotte CO2-neutral sein. Dieses Ziel, fest verankert in der Unternehmensstrategie «Green Logistics by Galliker», spiegelt das Engagement des Familienunternehmens wider. «90 Prozent der Emissionen unseres Geschäfts stammen von den Lastwagen. Daher setzen wir dort an», meint Thomas Müller. Ende 2023 verfügte Galliker Transport bereits über 50 E-Lastwagen. Der Plan ist, die Zahl bis Ende 2024 auf 90 zu erhöhen. Bis 2050 soll dann die ganze Flotte von über 1’300 Lastwagen CO2-neutral unterwegs sein. 

Eine praktische Innovation

Die Idee des Elektropower-Tunnels entstand aus logistischen und praktischen Überlegungen. «In unserer Branche – der Logistik – ist es problematisch, wenn Ladeeinrichtungen den Boden oder die Luft besetzen. Daher kam die Idee auf, die Ladeinfrastruktur unterirdisch zu verlegen, um Platz zu sparen und die Effizienz zu steigern», erklärt Thomas Müller. Gemeinsam mit den Fachexperten von CKW, dem Elektroplanungsbüro sowie weiteren langjährigen Partnern feilte das Team der Galliker Transport AG so lange an der Idee, bis die einfachste und effizienteste Lösung gefunden war. Damian Arnold von CKW begleitete das Projekt dabei von A bis Z: «Von der Montage über die Inbetriebnahme und den Einbau des Lastmanagements bis hin zu Betrieb und Wartung – es bereitet mir grosse Freude, an einem solchen Pionierprojekt mitzuwirken.» 

So funktioniert’s 

Wir befinden uns auf dem grossen Parkplatz vor dem Firmengebäude der Galliker Transport AG. Vor uns sind mehrere E-LKWs aufgereiht. Jeder der Lastwagen lädt seine Batterien für den morgigen Tag. Das Prinzip des Elektropower-Tunnels ist bestechend einfach: Die Fahrerin oder der Fahrer kehrt nach Dienstende auf den Parkplatz zurück, öffnet einen Schacht und hängt das Ladekabel direkt aus dem Schacht an den E-LKW an. Jedem Ladepunkt ist eine Ladeeinheit zugeteilt, die über eine Leistung von je 75–100 kW verfügt. In naher Zukunft wird das Ladesetting dynamisch gestaltet sein. Das bedeutet, dass die verfügbare Leistung optimal auf die Anzahl der ladenden Fahrzeuge verteilt werden kann und pro Ladepunkt bis zu 200 kW Leistung vorhanden sein werden.

Starke Zusammenarbeit gefragt

Die grössten Herausforderungen lagen in den technischen Anforderungen an das Ladesystem und die Leistungsdimensionen. «Das elektrische Laden einer E-LKW-Flotte ist ein Novum und nicht vergleichbar mit Ladelösungen für Personenwagen», so Müller. Die Zusammenarbeit mit allen Partnern war für den Erfolg des Projekts entscheidend. «Die konstruktive Zusammenarbeit hat massgeblich zum Projekterfolg beigetragen und wird auch zukünftig fortgesetzt», erzählt Thomas Müller. Das Unternehmen plant, das Konzept des Elektropower-Tunnels auch auf weitere Standorte auszuweiten und prüft aktuell, welche Standorte für das Projekt in Frage kämen.

«Es ist fantastisch zu sehen, wie die Lastwagen abends zurückkommen, über Nacht geladen werden und am nächsten Tag wieder einsatzbereit sind.»

Thomas Müller

Leiter Infrastrukturen Services

Nachhaltige Energie für nachhaltige Mobilität

«Es ist fantastisch zu sehen, wie die Lastwagen abends zurückkommen, über Nacht geladen werden und am nächsten Tag wieder einsatzbereit sind», schwärmt Thomas Müller, der auch im Privatleben mit einem E-Auto unterwegs ist. Für das Laden der E-Lastwagen nutzt das Unternehmen unter anderem Solarenergie aus eigener Produktion. In den letzten Jahren installierte die Galliker Transport AG mehrere grosse Solaranlage mit 10 MWp Gesamtleistung auf den Dächern der Firmengebäude am Hauptsitz in Altishofen. Überschüssige Energie, die tagsüber von dieser Anlage erzeugt wird, speichert das Unternehmen in zwei Batteriespeicher. Nachts wird diese gespeicherte Energie dann genutzt, um die E-Lastwagen zu laden.

«Lasst uns handeln» 

Auf unsere Frage, was Thomas Müller anderen Logistikunternehmen auf dem Weg zur CO2-Neutralität mitgeben möchte, gibt er die ganz klare Antwort: «Der Weg zur CO2-Neutralität ist nicht gratis - aber so wichtig! Lasst uns aktiv werden. Lasst uns handeln. Und nicht nur darüber sprechen.» 

Der Elektropower-Tunnel von Galliker Transport und CKW zeigt, dass mit Mut, Innovation und der richtigen Partnerschaft grosse Fortschritte für eine nachhaltigere Welt möglich sind. Der Elektropower-Tunnel ist ein Schritt in Richtung einer grüneren Zukunft: Die elektrische Mobilität in der Logistikbranche hat begonnen.

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