Das Wichtigste in Kürze
Was kostet eine bidirektionale Wallbox?
Eine spezialisierte DC-Ladestation kostet 5’000 bis 12’000 Franken. Zudem braucht es für die korrekte Abrechnung ein zertifiziertes Messkonzept mit zusätzlichen Zählern. Das Gesamtpaket kostet aktuell mit Installation und Ansteuerung 10’000 bis 20’000 Franken. Zum Vergleich: Eine klassische Wallbox ist bereits ab rund 2’000 Franken erhältlich.
Herausforderungen in der Schweiz
Damit das Potenzial von bidirektionalem Laden voll ausgeschöpft werden kann, sind verschiedene Voraussetzungen nötig:
Technische Ausstattung: Nur wenige Fahrzeuge unterstützen derzeit vollumfänglich bidirektionales Laden. Zwar ist die CCS-basierte Kommunikation mit ISO 15118-20 inzwischen standardisiert, dennoch bleibt die praktische Interoperabilität zwischen Fahrzeugen und Ladestationen herausfordernd.
Intelligenz: Fahrzeuge, Netze und Gebäude müssen über die erforderliche Steuerungslogik verfügen, um Verbrauch, Bedarf, verfügbare Energie und den Ladestand des Fahrzeugs zu erfassen und abzustimmen.
Abrechnung und Geschäftsmodelle: Mit den neuen gesetzlichen Grundlagen sind die Rahmenbedingungen geschaffen, doch Geschäftsmodelle entwickeln sich erst. Mit der jährlichen Rückerstattungskomponente für Speicher und den LEG bestehen nun aber klare Mechanismen für Abrechnung und Energieaustausch.
Bei uns lesen Sie alles zum Stand der Technik, zu den Anwendungsbereichen, Vorteilen, Einschränkungen und den weiterhin bestehenden Herausforderungen.
Zusätzliche hilfreiche Inhalte
Bidirektionales Laden – Grundlagen und Funktion
Bidirektionales Laden ermöglicht es Elektrofahrzeugen, nicht nur Strom aus dem Netz zu beziehen, sondern auch wieder ins Stromnetz zurückzuspeisen. So werden E-Autos zu mobilen Stromspeichern, die flexibel auf Energiebedürfnisse reagieren können.
Derzeit eignet sich bidirektionales Laden weiterhin besonders zur Optimierung und Erhöhung des Eigenverbrauchs der Solaranlage (V2H). E-Autos können dabei einen stationären Stromspeicher ersetzen oder ergänzen.
💡
Seit dem 1. Januar 2026 ist auch die Stromrückspeisung ins öffentliche Stromnetz (V2G) regulatorisch klar geregelt. Rechtliche Unsicherheiten wurden mit der Revision des Stromversorgungsgesetzes beseitigt, und neue Abrechnungsmodelle ermöglichen erstmals wirtschaftliche Anwendungen
Stromrückspeisung vom Fahrzeug ins Stromnetz
Eine bidirektionale Ladestation kann den Stromfluss zu und von einem bidirektional ladefähigen E-Auto so steuern, dass die im Fahrzeugakku gespeicherte Energie auch wieder ins Netz zurückfliessen kann.
Neben bidirektionalen Geräten ist die richtige Software im Auto eine Voraussetzung. Immer mehr moderne Elektrofahrzeuge haben diese, damit Ladestation und Auto «miteinander sprechen» können. Das ist entscheidend, um eine Überlast zu vermeiden. Insbesondere bei V2G-Anwendungen kann ein Ungleichgewicht im öffentlichen Stromnetz gefährliche Folgen haben.
Rechtliche Situation in der Schweiz
Seit 2026 sind die wichtigsten rechtlichen Grundlagen für bidirektionales Laden in Kraft. Dazu gehören insbesondere:
- Die Gleichstellung bidirektionaler Ladepunkte mit Speichern
- Rückerstattung der Netznutzungsentgelte (NNE) für Speicher mit Eigenverbrauch – inklusive bidirektionaler Ladeinfrastruktur
- Neue Bestimmungen im StromVG (insbesondere Art. 14a und 17c), die V2G klar regeln
- Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG), die erstmals Stromaustausch über das öffentliche Netz ermöglichen
- Technische Vorgaben gemäss NIN 2025 (u. a. Kapitel 8.2 Prosumer)
Zudem erweitert sich das Angebot zugelassener bidirektionaler Ladestationen laufend: 2026 bringen mehrere Hersteller marktfähige Lösungen auf den Schweizer Markt.
Was bedeuten V2H, V2G und V2L?
Die verschiedenen Ausprägungsformen von Vehicle-to-X (V2X) bringen unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten mit sich.
V2G, V2H, V2B, V2L – Technik und Unterschiede in aller Kürze
Die Technologie wird häufig unter dem Oberbegriff Vehicle-to-X (V2X) zusammengefasst, wobei man verschiedene Anwendungsformen unterscheidet:
- Vehicle-to-Grid (V2G): Einspeisung des Stroms aus dem Akku eines E-Fahrzeugs ins öffentliche Stromnetz
- Vehicle-to-Home (V2H): Einspeisung des Stroms ins private Hausnetz, wo er direkt verbraucht wird
- Vehicle-to-Building (V2B): ein Sonderfall von V2H – Versorgung grösserer Gebäude durch meist mehrere Fahrzeuge
- Vehicle-to-Load (V2L): Stromversorgung anderer Geräte direkt aus dem Fahrzeugakku
Vehicle-to-Grid (V2G) – Vorteile für Alltag und Stromnetz
V2G bietet wirtschaftliche Vorzüge für Privatpersonen und technische Vorteile für das Stromnetz als Ganzes:
- Für Privatpersonen mit E-Auto: Sie können durch den Verkauf von überschüssiger Energie im Akku des E-Autos zusätzliches Einkommen erzielen.
- Für das Stromnetz: Eine Überproduktion aus Solar- oder Windenergieanlagen kann das Stromnetz überlasten. Eine Flotte aus Elektrofahrzeugen mit V2G kann als Puffer für erneuerbare Energien dienen. Die aufgeladenen E-Auto-Akkus können dann wiederum angezapft werden, um eventuelle Lastspitzen im Netz auszugleichen.
Vehicle-to-Home (V2H) – das eigene Zuhause aus dem E-Auto versorgen
Abendsonne aus dem Akku (V2H)
Abendsonne aus dem Akku (V2H)
- Für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer: Ein bidirektional ladefähiges E-Auto mit passender Ladestation kann einen herkömmlichen Stromspeicher ersetzen oder zusätzliche Speicherkapazität zur Verfügung stellen. Das ist besonders attraktiv, wenn Sie eine Solaranlage betreiben, um den Eigenverbrauch zu erhöhen. PV-Anlagen produzieren über den Tag meist mehr Solarenergie, als im Haushalt verbraucht werden kann. Diesen Strom kann man dann im E-Auto speichern. Auch bei Stromausfall können bidirektionale E-Autos als mobile Stromquelle dienen.
- Für Unternehmen: Eine Unterform ist Vehicle-to-Building (V2B). Hier wird ein grösseres Gebäude aus mehreren E-Auto-Akkus mit Strom versorgt. Besonders für Unternehmen mit entsprechend stromhungrigen Firmengebäuden kann das attraktiv sein. Voraussetzung ist eine elektrifizierte Fahrzeugflotte und passende Ladeinfrastruktur – gegebenenfalls ergänzt durch eine Solaranlage auf dem Gebäudedach.
Wichtig zu wissen
Viele Elektrofahrzeuge haben eine technisch bedingte minimale Entladeleistung von rund 1.7 bis 1.8 kW. Das bedeutet: Das Fahrzeug kann keine sehr kleinen Haushaltslasten direkt versorgen. Damit die Energie trotzdem effizient genutzt werden kann, wird in solchen Fällen oft ein zusätzlicher stationärer Batteriespeicher eingesetzt. Dieser puffert die Leistung und versorgt kleine Verbraucher mit der passenden Strommenge.
Je nach Fahrzeug und Ladestation kann V2H daher mit oder ohne stationären Speicher sinnvoll sein. Moderne bidirektionale DC‑Systeme (zum Beispiel EVTEC crema&charge) sind hier leistungsfähiger und erlauben eine flexiblere Nutzung.
Die 1,8-Kilowatt-Hürde
Die 1,8-Kilowatt-Hürde
Vehicle-to-Load (V2L) – Die Steckdose im Auto nutzen
V2L ermöglicht die direkte Stromversorgung verschiedener Geräte aus dem Fahrzeugakku. Beispiele sind E-Bikes, Roller oder Camping-Equipment. Voraussetzung ist hier ein passender Anschluss am Fahrzeug selbst.
Kosten und Verfügbarkeit von bidirektionalen Ladestationen
Bidirektionale Ladestationen sind weiterhin teurer als klassische Wallboxen, jedoch steigt das Angebot: Seit 2026 sind neue Modelle in der Schweiz erhältlich, da verschiedene Anbieter marktfähige Lösungen entwickeln. Ein in der Schweiz verfügbares Modell ist die «Two-Way»-Ladestation von sun2wheel. Je nach Ausführung kostet sie zwischen rund 13’000 und 21’000 Franken. Zum Vergleich: Wallboxen mit nur einer Laderichtung sind bereits ab rund 2’000 Franken erhältlich.
Immer mehr moderne E-Autos bringen Funktionen für bidirektionales Laden mit. Daher ist damit zu rechnen, dass durch eine erhöhte Nachfrage auch das Angebot an bidirektionalen Ladestationen steigt.
Förderung für bidirektionale Ladestationen
Einige Kantone bieten bereits Fördermittel an, um die Anschaffungskosten von bidirektionalen Ladestationen abzufedern. Der Kanton Luzern fördert bidirektionale Ladestationen seit 2026 beispielsweise mit 2'000 Franken. Gleiches gilt für die Kantone Zürich, Graubünden, Schaffhausen, Thurgau und Uri. Bern oder das Tessin vergüten sogar 3'000 Franken beziehungsweise 4'000 Franken.
Bidirektionales Laden und Solarstrom
Bidirektionales Laden kann die Energiekosten erheblich senken. Durch den erhöhten Eigenverbrauch von Solarstrom und die Möglichkeit, überschüssige Energie zu verkaufen, amortisiert sich die Investition schneller.
Das revidierte Stromversorgungsgesetz stärkt diese Wirtschaftlichkeit zusätzlich, da Speicherflexibilität nun ausdrücklich berücksichtigt wird.
Integration und Netzstabilität
Bidirektionales Laden kann einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität leisten, indem überschüssiger Strom in E-Auto-Akkus gespeichert wird. Nicht selten stehen beispielsweise Windräder still, weil der produzierte Strom das Netz aus dem Gleichgewicht bringen würde. Die entsprechende Verbreitung vorausgesetzt, kann dieser überschüssige Strom in einer grossen Flotte E-Autos Platz finden.
Smart Charging und bidirektionales Laden
Smart Charging ist essenziell für bidirektionales Laden, da es die intelligente Steuerung des Stromflusses ermöglicht. Je nach Fahrzeugmodell, der verbundenen Ladestation, der dahinterliegenden Infrastruktur und eines Energiemanagementsystems sind alle, nur einige oder keine der V2X-Funktionen möglich.
Häufige Fragen
Bei grösseren Gebäuden kommt Vehicle-to-Building (V2B) zum Einsatz, bei dem meist mehrere Fahrzeuge grössere Gebäude versorgen. Die Herausforderungen liegen in der komplexeren Lastverteilung und dem Management mehrerer Fahrzeuge. Mit einer professionellen Lastmanagementlösung ist aber auch eine so herausfordernde Stromverteilung automatisiert und sicher möglich.
Regelmässiges Laden und Entladen beeinträchtigt grundsätzlich die Lebensdauer von Batterien. Aktuelle E-Auto-Akkus überstehen zwischen 500 und 3’000 Ladezyklen, was einer Lebensdauer von 5 bis 20 Jahren entspricht. Jüngste Erkenntnisse der Batterieforschung zeigen, dass die Lebensdauer bei sinnvoll verwalteten Ladezyklen nicht verkürzt, gegebenenfalls sogar begünstigt wird. Bei bidirektionalem Laden wird der Ladestand von Akkus häufig im mittleren Bereich gehalten. Das beugt Verschleiss durch starkes Vollladen und tiefes Entladen vor.
Mit der grossangelegten Förderung erneuerbarer Energieträger ist anzunehmen, dass bidirektionales Laden schon in näherer Zukunft immer weiter verbreitet sein wird. Das Schweizer Stromversorgungsgesetz von 2024 ebnet bereits den Weg: Für eingespeisten Strom aus Stromspeichern wie E-Autos werden die Netznutzungsgebühren erstattet. Erste Förderinitiativen für bidirektionale Ladetechnik gibt es auch bereits. Im Kanton Zürich gibt es beispielsweise 2’000 Franken pro Ladepunkt.