Solarziegel: Innovative Dachziegel mit Solar-Modul
17. Dezember 2025|Lesezeit: 5 min
Solarziegel sind moderne Dachziegel mit einem Solar-Modul. Erfahren Sie alles zu Funktionsweise, Vorteilen, Voraussetzungen, Installation und Kosten.
Solarziegel – auch Solardachziegel genannt – vereinen klassische Dachoptik mit modernster Technik. In den Dachsteinen sind Photovoltaik-Module direkt integriert. So entsteht eine stabile, wetterfeste Dachhaut, die gleichzeitig Strom aus Sonnenenergie erzeugt – für den Eigenverbrauch im Hausnetz oder zur Speicherung.
Solarziegel zählen zu den Indach-Photovoltaik-Anlagen, sind aber deutlich kleiner als typische PV-Module. Sie orientieren sich am Standardmass für Systemziegel und fügen sich dadurch optisch besser ins Gesamtbild des Gebäudes ein. Solarziegel sind besonders dann geeignet, wenn eine hohe Ästhetik erwünscht ist oder Denkmalschutz-Auflagen eine typische Aufdach-PV-Anlage nicht erlauben.
Funktionsweise
Die Funktionsweise von Solarziegeln entspricht klassischen PV-Module. In den Solarzellen wird aus Sonnenenergie Strom erzeugt. Zur Gesamtanlage gehören wie bei der Standard-PV-Anlage Komponenten wie Wechselrichter, Stromzähler und optional ein Stromspeicher. Die Steuerung und Überwachung erfolgt über ein Monitoring-System, das die Leistung aller Solarziegel im Blick behält.
In der Praxis werden die einzelnen Solardachziegel unsichtbar miteinander verkabelt. Der erzeugte Gleichstrom wird über ebenfalls unsichtbar verlegte Leitungen zu einem Wechselrichter geführt. Der Wechselrichter wandelt den Gleichstrom in haushaltsüblichen Wechselstrom um, sodass er direkt nutzbar gemacht wird. Zum Beispiel zum Eigenverbrauch, zur Einspeisung ins öffentliche Netz oder für den Batteriespeicher.
Leistung im Vergleich
Das wichtigste technische Merkmal eines Solarziegels ist seine elektrische Nennleistung. Sie gibt an, wie viel elektrische Leistung ein einzelner Dachziegel mit Solarmodul unter Standardbedingungen maximal erzeugen kann.
Die Leistung handelsüblicher Solarziegel-Modelle liegt je nach Grösse meist zwischen 10 und 30 Watt-Peak (Wp). Pro Quadratmeter Dachfläche lässt sich mit etwa 90 Wp rechnen. Um also eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 10 kWp (Standard-Annahme für ein Einfamilienhaus) zu bekommen, müssen Sie Solarziegel auf einer Dachfläche von 111 m² verlegen lassen. Zum Vergleich: Eine Standard-Aufdach-Anlage würde nur rund 60 m² benötigen.
Designs, Farben, Oberflächen
Solarziegel sind in verschiedenen Formen, Farben und Oberflächen erhältlich. So treffen sie nahezu jeden optischen Geschmack oder Anforderungen an den Denkmalschutz. Es gibt Solardachziegel im bekannten Standard-Mass, mit Terracotta-Farbton und Wellenform oder auch grössere quadratische Solarziegel in anthrazit und mit glänzender Oberfläche. Marktüblich sind:
- Klassische Dachziegel-Optik (wellenförmig oder flach)
- Klassische Dachschindel-Optik (zum Beispiel Biberschwanz)
- Andere flache Bauformen, die modular verlegt werden können
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Wenn nicht das gesamte Dach mit Solarziegeln eingedeckt werden soll, können sogenannte Blindmodule oder passive Schindeln verbaut werden. Sie sehen sehr ähnlich oder exakt aus wie Solarziegel, haben aber kein Solarmodul integriert. Sie erzeugen also keinen Strom, sorgen jedoch dafür, dass die Dachhaut eine optisch einheitliche Fläche bildet.
Vorteile und Nachteile von Solarziegeln
In der Übersicht finden Sie die wichtigsten Vorteile und Nachteile von Solarziegeln:
| Vorteile | Nachteile |
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Installation und bauliche Voraussetzungen
Solarziegel können wie klassische Dachziegel durch die Dachdeckerin oder den Dachdecker verlegt werden, den elektrischen Anschluss muss ein zertifiziertes Elektrounternehmen ausführen.
Die Montage von Solarziegeln erfolgt wie bei herkömmlichen Dachziegeln, sie werden direkt auf die Traglattung aufgesetzt. Die elektrischen Anschlüsse und Leitungen werden unter den Ziegeln verlegt und sind vor Witterung geschützt.
Im Gegensatz zu Aufdach-PV-Anlagen, die auf das bestehende Dach montiert werden, ersetzen Solarziegel die eigentliche Dachhaut. Sie übernehmen also auch die Funktionen herkömmlicher Ziegel, von der Abdichtung bis zum Hagelschutz.
Für welche Dächer eignen sich Solarziegel?
Solarziegel sind besonders für Schrägdächer geeignet – unabhängig davon, ob es sich um Neubauten oder Sanierungen handelt. Schrägdächer garantieren prinzipiell eine effiziente Stromversorgung und einen guten Wasserabfluss. Es lassen sich aber auch Flachdächer und komplexe Dachflächen mit Dachfenstern, Schornsteinen oder Gauben mit Solarziegeln ausstatten.
Damit Solarziegel installiert werden können, muss die Dachkonstruktion lediglich die üblichen statischen Anforderungen an den jeweiligen Dachtyp erfüllen. Da Solarziegel meist nicht schwerer sind als herkömmliche Ziegel, ist keine zusätzliche Verstärkung oder Tragkonstruktion nötig. Wichtig ist nur eine fachgerechte Planung und Installation durch erfahrene Fachbetriebe, um einen optimalen Stromertrag, maximale Dichtigkeit und höchste Sicherheit des Gesamtsystems zu gewährleisten.
Lebensdauer und Wetterfestigkeit
Hersteller von Solarziegeln geben normalerweise folgende Garantien für ihre Produkte:
- 20 Jahre für die Stromerzeugung (80 Prozent Leistung nach 20 Jahren Betriebszeit)
- 30 Jahre für die Witterungsbeständigkeit
Die Gesamtlebensdauer von Solarziegeln liegt bei rund 30 bis 40 Jahren. Das entspricht ungefähr der erwarteten Lebensdauer von herkömmlichen Photovoltaik-Modulen.
Auch in Sachen Witterungsbeständigkeit stehen Solarziegel im Vergleich zu Standard-Aufdach-Modulen sehr gut da. Durch die Verwendung von hochgehärtetem Spezialglas erreichen viele Modelle die höchste Hagelschutzklasse 4. Das heisst, sie halten Hagelkörnern mit einem Durchmesser bis 40 mm bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 23 m/s (etwa 83 km/h) stand. Klassische PV-Module verfügen oft nur über die niedrigere Hagelschutzklasse 3.
IEC-Zertifizierung als Qualitätsmerkmal
Unser Tipp: Achten Sie bei Solarziegeln darauf, dass sie nach IEC-Normen zertifiziert sind. Die IEC (Internationale Elektrotechnische Kommission) mit Sitz in Genf hat verschiedene Mindeststandards in Sachen Alterung und Sicherheit festgelegt, die von den Solardachziegeln erfüllt werden müssen. Die Normen im Einzelnen: IEC 61215 / IEC 61646 (Langlebigkeit und Haltbarkeit) und IEC 61730 (Sicherheit).
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Die Kosten für Solardachziegel variieren sehr stark von Produkt zu Produkt. Einen allgemeingültigen Richtpreis für Solardachziegel in der Schweiz zu ermitteln, gestaltet sich deshalb schwierig.
In ihrem «Status Report Building Integrated Photovoltaics» nimmt die spezialisierte Fachhochschule «University of Applied Sciences and Arts of Southern Switzerland (SUPSI)» einen Endkunden-Preis für Solardachziegel von rund EUR 100 bis 480 pro m² an, im Mittel etwa 290 Euro. Umgerechnet sind das circa 270 Franken.
Vergleich: Solarziegel vs. Aufdach-PV
Ein Kostenbeispiel: Für eine Solaranlage mit einer Leistung von 10 kWp benötigen Sie Solarziegel auf 111 m². Es ergeben sich also im Schnitt Materialkosten von knapp 30'000 Franken. Zum Vergleich: Die Solarmodule für eine 10-kWp-Aufdach-Anlage auf 50 m² Dachfläche kosten nur rund 9'000 Franken. Bei den angegebenen Kosten handelt es sich um die reinen Materialkosten exklusive Installation und weiterer Komponenten wie Wechselrichter.
Allein durch den Preisunterschied bei den Modulen ergibt sich eine deutlich längere Amortisationszeit von Solarziegeln im Gegensatz zur klassischen Aufdach-PV-Anlage. Steht eine Dachsanierung inklusive Neueindeckung an, können Sie die Kosten gegenrechnen, die durch neue Dachziegel entstanden wären.
Förderung für Solarziegel
Ein Dachsystem aus Solarziegeln gilt als integrierte Photovoltaik-Anlage und wird in der Schweiz entsprechend gefördert. Im Rahmen einer Einmalvergütung für kleine PV-Anlagen (KLEIV) können Sie beispielsweise für eine 10-kWp-Solarziegelanlage mit einer Unterstützung von 4'000 Franken rechnen. Weitere Informationen zur Förderung von PV-Anlagen lesen Sie in unserem Ratgeber-Artikel.
Häufige Fragen
Hochwertige Glasabdeckungen und eine insgesamt sehr robuste Konstruktion schützen die Solarmodule in den Ziegeln. So halten sie Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und mechanischen Belastungen wie Hagelschlag stand – also Witterungsbedingungen, die im Schweizer Klima besonders relevant sind.
Die elektrische Verkabelung von Solarziegeln erfolgt unterhalb der Dachhaut. Das schützt sie zwar vor Witterung, stellt aber besondere Anforderungen an Brandschutz und Zugänglichkeit. Die elektrische Installation von Solarziegeln muss immer durch eine zertifizierte Elektro-Fachperson erfolgen, um Risiken wie Überhitzung oder Lichtbögen zu vermeiden und im Ernstfall eine Haftungssicherheit zu haben.
Wartungsarbeiten sind im Vergleich zu Standard-PV-Anlagen aufwendiger, da der Zugang zu einzelnen Solarziegeln erschwert ist. Wartung und Reparaturen sind vor allem bei dauerhaft fest verbundenen Kabeln vergleichsweise schwierig. Moderne Systeme setzen deshalb auf steckbare, wartungsfreundliche Verbindungen und eine elektronische Überwachung der Sicherheit.